Ärzte Zeitung online, 16.02.2010

Mediziner kritisieren populäre TV-Arztserien

ST. PAUL/NEW YORK (dpa). Schelte für beliebte Arztserien: Wer sich an Fernsehsendungen wie "Grey's Anatomy", "Dr. House" oder "Emergency Room - Die Notaufnahme" ein Beispiel nimmt, könnte im Notfall gravierende Fehler begehen.

US-Forscher haben sich 327 Folgen populärer TV-Serien aus dem Alltag von Medizinern angesehen und festgestellt, dass die Hälfte der dargestellten epileptischen Anfälle nicht korrekt behandelt wurde. Das Ergebnis der Studie soll auf der 62. Jahrestagung der Amerikanischen Academy of Neurology im April in Toronto vorgestellt werden.

Demnach wurden in 59 der 327 Folgen Patienten mit epileptischen Anfällen gezeigt. In 51 Fällen nahmen sich Ärzte oder Schwestern der Patienten an, was den Experten zufolge nur bei länger anhaltenden Krämpfen erforderlich ist. In 25 TV-Folgen (46 Prozent) handelte das Krankenhauspersonal in den Fernsehfolgen inkorrekt und versuchte unter anderem, die zuckenden Epileptiker festzuhalten und ihnen etwas in den Mund zu schieben, um ihre Zähne zu schützen. Nur in 17 Folgen (29 Prozent) bekamen die Zuschauer die korrekte Anwendung zu sehen, wie beispielsweise das Entfernen gefährlicher Gegenstände im Umfeld des Patienten. Die restlichen 15 Fälle wurden nur ausschnittweise gezeigt und ließen keine Beurteilung zu.

"Fernsehdramen sind ein ideales Instrument zur Aufklärung eines breiten Publikums in erster Hilfe bei epileptischen Anfällen", kommentierte der federführende Autor der Studie, Andrew Moeller von der Dalhousie Universität in Halfiax (Kanada), das Ergebnis. Moeller rief die Betroffenen auf, bei der TV-Industrie auf die korrekte Darstellung zu pochen, damit sie im Notfall auch von Laien erste Hilfe bei einem Anfall bekommen könnten.

Von den insgesamt vier kritisierten US-Serien wurden oder werden drei von ProSieben in Deutschland ausgestrahlt: "Grey's Anatomy", "Private Practice" und "Emergency Room". "Dr. House" läuft bei RTL.

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