Ärzte Zeitung online, 17.02.2010

DNA beweist: Echnaton ist Vater von Pharao Tutanchamun

KAIRO/TÜBINGEN (dpa). Ein Gentest beweist: Der Vater des legendären altägyptischen Pharaos Tutanchamun ist mit größter Wahrscheinlichkeit König Echnaton. Auch gemeinsame Körpermerkmale und eine identische Blutgruppe stützen diese Forschungsergebnisse, an denen deutsche Wissenschaftler beteiligt waren.

DNA beweist: Echnaton ist Vater von Pharao Tutanchamun

Rund 3300 Jahre nach dem Tod von Tutanchamun haben Wissenschaftler das Rätsel um die Abstammung des jung gestorbenen Pharaos per Gentest zumindest teilweise geklärt. Abgebildet sind eine Nachbildung der berühmten Tutanchamun-Maske sowie eine Rekonstruktion des Gesichtes des Pharaos. © dpa - Bildfunk

Mithilfe der DNA-Untersuchungen und radiologischen Tests wurde auch die Mutter Tutanchamuns gefunden; ihre Identität konnte jedoch noch nicht geklärt werden. Tutanchamun starb vermutlich an einer Knochenkrankheit in Verbindung mit Malaria. Die Ergebnisse werden am Mittwoch im US-Fachjournal "JAMA" veröffentlicht.

Tutanchamun lebte vor rund 3300 Jahren. Er kam im Alter von nur etwa acht Jahren auf den Thron und starb mit 19 Jahren.

An diesem Mittwoch will der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, die Ergebnisse der Untersuchung von Gewebeproben, die 2008 aus der Mumie des Pharaos entnommen wurden, bei einer Pressekonferenz in Kairo detailliert vorstellen.

Hawass untersuchte gemeinsam mit deutschen und italienischen Forschern von 2007 bis 2009 insgesamt 16 Mumien. Beteiligt war auch der Tübinger Wissenschaftler Carsten Pusch. Elf der Mumien gehörten zur königlichen Blutlinie Tutanchamuns, fünf weitere zu früheren Königsfamilien. Die Mumien von Echnaton und Tutanchamun hätten mehrere gemeinsame charakteristische Körpermerkmale, schreiben die Forscher. Außerdem hätten sie dieselbe Blutgruppe.

Die Wissenschaftler identifizierten auch eine der Mumien als Echnatons Mutter und Tutanchamuns Großmutter Teje. Die Mutter des Kind-Pharaos wollen die Forscher in der Mumie mit der Bezeichnung KV35YL gefunden haben. Ihre Identität ist jedoch noch unklar.

Vermutet wird bisher, dass Tutanchamuns Mutter Echnatons Nebenfrau Kija war. Königin Nofretete, die eine wesentlich bedeutendere Rolle am Hofe und in der neuen Sonnengott-Religion spielte, scheidet als mögliche Mutter von Tutanchamun nach Ansicht der meisten Forscher aus.

Die Forscher fanden heraus, dass mehrere Mitglieder der Königsfamilie an Missbildungen litten. Bei Tutanchamun wurde etwa die sogenannte Köhler-Krankheit diagnostiziert, bei der die Patienten belastungsabhängige Schmerzen an den Knochen haben. Bei vier Mumien, darunter Tutanchamun, fanden die Wissenschaftler auch Überreste des Parasiten, der Malaria hervorruft. "Die schlechte Blutzirkulation im Knochengewebe, die Teile der Knochen geschwächt oder zerstört hat, ist zusammen mit Malaria die wahrscheinlichste Ursache für den Tod von Tutanchamun", schreiben die Forscher.

Weder Tutanchamun noch Echnaton hätten ein sehr weibliches Äußeres gehabt, heißt es weiter. Wissenschaftler hatten lange spekuliert, dass die königliche Familie an Krankheiten wie Hormonstörungen litt, die zu einer Verweiblichung führten. Die Gentests gäben jedoch keine Hinweise darauf, schreiben die Wissenschaftler. Vielmehr hätten die ägyptischen Könige sich und ihre Familien auf Bildern in idealisierter Form präsentiert.

Das Grab des Pharaos Tutanchamun

Es war eine Weltsensation: Am 4. November 1922 entdeckte der britische Archäologe Howard Carter im "Tal der Könige" bei Luxor in Ägypten den Eingang zum Grab des Pharaos Tutanchamun. Nach fünf Jahren ergebnisloser Suche im Auftrag des britischen Lords Carnarvon war es endlich soweit. Eine Treppe unter den Ruinen antiker Bauhütten, die am Eingang des Grabes von Ramses VI. lagen, hatte Carter auf die Spur geführt. Mit seinem Team fand er eine mit goldenen Masken, Möbeln und anderen Schätzen prall gefüllte Grabanlage vor - das bislang einzig bekannte Königsgrab, das nicht von Räubern zuvor geplündert worden war.

Rund 3000 Jahre alter Schatz

Am 26. November öffnete der Ägyptologe im Beisein seines telegrafisch aus London herbeigerufenen Financiers und dessen Tochter die Vorkammer. Auf die Frage, ob er irgendetwas sehen könne, soll Carter geantwortet haben: "Ja, wundervolle Dinge."

Bevor die fast unversehrten rund 3000 Jahre alten Schätze geborgen wurden, inventarisierte ein Team von hochkarätigen Experten den Inhalt der Kammern. Erst am 17. Februar 1924 konnten Carter und Carnarvon im Beisein von Vertretern der ägyptischen Antikenverwaltung die eigentliche Sargkammer öffnen. Sie fanden vier ineinander gebaute vergoldete Holzschreine vor. Im innersten Schrein befand sich ein steinerner Sarkophag mit drei ineinander liegenden Särgen. Der innerste enthielt die Mumie Tutanchamuns mit der berühmten Goldmaske.

Streitigkeiten mit der ägyptischen Regierung führten dazu, dass die Forscher erst im November 1925 mit der Autopsie der Mumie begannen. Bis 1932 wurden die Räume der Grabanlage systematisch ausgeräumt, mehr als 5900 Objekte nummeriert und konserviert. Die Funde sind im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo zu sehen.

"Fluch des Pharaos"

Den angekündigten wissenschaftlichen Bericht über seine Entdeckung blieb Carter schuldig. Die Arbeit in der Grabanlage hatte seine Gesundheit schwer angegriffen. Im März 1939 starb er an Krebs. Die Legende vom "Fluch des Pharaos" bekam neue Nahrung. Bereits der Tod von Lord Carnarvon hatte eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, ob die Ruhe des Pharaos ungesühnt gestört werden dürfe. Carnarvon war Anfang März 1924 - kurz nach der Öffnung der Sargkammer - an einer Blutvergiftung gestorben.

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