Ärzte Zeitung online, 19.02.2010

Müssen Impfstoffe, Sprays, Salben und Cremes künftig neu gemischt werden?

STUTTGART (eb). Impfstoffe, medizinische Sprays, möglicherweise aber auch Cremes oder Salben müssen künftig vielleicht neu gemischt werden. Denn die Substanzen, die diese Emulsionen stabilisieren, wirken entweder kaum oder anders als seit gut 100 Jahren gedacht.

Müssen Impfstoffe, Sprays, Salben und Cremes künftig neu gemischt werden?

Tröpfchen im Blick: Dr. Sylvie Roke hat festgestellt, dass sie sich mit weniger Seifen-Molekülen umgeben als bislang gedacht. © Frank Vinken

Physiker um Dr. Sylvie Roke vom Max-Planck-Institut für Metallforschung haben festgestellt, dass Tröpfchen in Nano-Emulsionen wie etwa in Impfstoff-Zubereitungen kaum von Detergenzien eingehüllt werden. Detergenzien, zu denen auch Seife gehört, werden Emulsionen zugesetzt, um Öltröpfchen in einer wässrigen Umgebung zu stabilisieren.

Sie bestehen aus einem öllöslichen und einem wasserlöslichen Teil und sollen zwischen den beiden Flüssigkeiten vermitteln, indem sie die Oberflächenspannung zwischen ihnen herabsetzen. Das tun sie aber zumindest in Emulsionen mit nanoskopischen Tröpfchen längst nicht so effektiv wie bislang angenommen, wie die Wissenschaftler festgestellt haben. "Ich bin mir sicher, dass wir die Lehrbücher ändern müssen", so Roke.

Jetzt wollen sie und ihre Mitarbeiter herausfinden, was Nano-Emulsionen, die in der Medizin oft Anwendung finden, tatsächlich stabilisiert. "Vielleicht brauchen wir dafür gar kein Detergens", sagt Roke. "Die Seife könnte aber auch einfach nur anders wirken als bislang gedacht." Und das möglicherweise nicht nur in Nano-Emulsionen. Um das zu prüfen, werden die Forscher auch Emulsionen mit größeren Tröpfchen - also zum Beispiel Cremes und Salben -mit ihrer Methode inspizieren.

Weitere Informationen im Artikel "Tiefgang an Oberflächen" des Max-Planck-Institut

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