Ärzte Zeitung online, 19.02.2010

Delfine können je nach Nahrung Diabetes ein- oder ausschalten

SAN DIEGO (dpa). Delfine können dem Menschen eine wichtige Lektion über die Volksseuche Diabetes Typ 2 erteilen. Wenn sie mehrere Stunden nichts zu sich nehmen, sind sie insulinresistent wie Diabetiker. Das haben kalifornische Studien mit dem Großen Tümmler (Tursiops truncatus) ergeben.

Sobald sie wieder Nahrung zu sich nehmen, schwindet die Insulin-Resistenz. "Der Tümmler hat einen genetischen Schalter, mit dem er Diabetes ein und ausschaltet", staunt die Direktorin der Nationalen Stiftung für Meeressäuger in den USA, Stephanie Venn-Watson. Sie glaubt, dass der Weg zum besseren Verständnis der Zuckerkrankheit über Delfine führen dürfte. Derzeit gehen noch fünf Prozent aller Todesfälle weltweit auf das Konto von Diabetes.

Venn-Watson und Kollegen von der US-amerikanischen Meeresbehörde NOAA präsentierten ihre Forschungsergebnisse am Donnerstagabend auf der Jahrestagung des US-Wissenschaftsverbandes AAAS in San Diego (Kalifornien). Die Gruppe wies anhand von Blutproben nach, dass Delfine im weiten Meer dazu tendieren, sich den Magen vollzuschlagen und dann mehrere Stunden zu pausieren. In dieser Fastenphase gleiche ihr Blutbild dem von Menschen mit Diabetes, sagt die Forscherin. Sowie sie fressen, sei der Zustand beendet.

Ein Grund für den ähnlichen Umgang mit Kohlenhydraten bei Mensch und Delfin könnte sein, dass beide Arten für ihr - im Vergleich zu anderen Arten - enorm großes Hirn ständig Blutzucker brauchen, erklärt die Forscherin. Dieser Bedarf dürfte ihrem ähnlichen Glukose-Metabolismus, Diabetes eingeschlossen, zugrunde liegen.

Während chronische Insulin-Resistenz Diabetikern eine strikt zuckerarme Ernährung abverlangt, könnten Delfine den "Ein-und-Aus-Schalter" für ihre Insulin-Resistenz im Verlauf der Evolution entwickelt haben, um die fisch- und damit eiweißreiche Meeresnahrung - und den Mangel an Kohlenhydraten aus Pflanzennahrung - besser vertragen zu können.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »