Ärzte Zeitung online, 23.02.2010

Forscher sind dem Geheimnis der Berührung auf der Spur

BERLIN-BUCH (eb). Beim Tastsinn spielen mechanosensitive Ionenkanäle eine entscheidende Rolle. Forscher aus Berlin haben entdeckt, dass ein Proteinfilament für die Öffnung und Schließung dieser Ionenkanäle unerlässlich ist.

Die Wissenschaftler Professor Gary Lewin und Dr. Jing Hu vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch konnten in Experimenten mit neuronalen Zellkulturen sowie in Versuchen mit Mäusen zeigen, dass die Proteinfilamente für die Öffnung mechanosensitiver Ionenkanäle in der Haut benötigt werden. Spalteten die Wissenschaftler die Proteinfilamente mit Hilfe eines Enzyms, zerstörten sie also temporär die Verbindung der neuronalen Endigung zur extrazellulären Matrix, reagierten diese Neuronen nicht mehr auf Berührungsreize. Nach 12 Stunden hatten die sensorischen Nervenendigungen in der Haut jedoch die Proteinfilamente wieder gebildet, und die Neuronen gewannen ihre Berührungsempfindlichkeit zurück (EMBO Journal 29, 2010, 855).

Die Wissenschaftler konnten so zeigen, dass die Öffnung und Schließung dieser Ionenkanäle mit den Proteinfilamenten zusammenhängt. Diese Proteinfilamente werden von sensorischen Nervenendigungen in der Haut gebildet. Sie sind, so vermuten die Forscher, wahrscheinlich integraler Bestandteil des mechanosensitiven Mechanismus. Er liegt der Empfindung von Berührungsreizen zugrunde.

Die Ergebnisse könnten in Zukunft Menschen, deren Tastsinn aufgrund ihres Alters beeinträchtigt ist, helfen. Außerdem sind Krankheitssymptome bekannt, die sich durch eine Hypersensibilität gegenüber Berührungen auszeichnen. Hier könnten therapeutische Ansätze entwickelt werden, um die Symptome neuropathischer Schmerzen zu lindern.

Abstract der Originalstudie: "Evidence for a protein tether involved in somatic touch"

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