Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 03.03.2010

Fußballstadien sind schlecht auf Herzinfarkte vorbereitet

GÖTEBORG/LONDON (dpa). Die großen Fußballstadien in Europa sind schlecht auf mögliche Herzinfarkte bei Großveranstaltungen vorbereitet. Es fehlen konkrete Einsatzpläne und Defibrillatoren.

Zu diesem Ergebnis ist ein Forscherteam um den schwedischen Herzspezialisten und Fußball-Vereinsarzt Mats Börjesson in einer Studie gekommen. Mehr als ein Viertel von 187 untersuchten Top-Stadien verfügt nicht über einen Defibrillator (European Heart Journal 2010, online vorab). Noch höher sei der Prozentsatz von Stadien ohne konkrete Einsatzpläne oder Mitarbeiterschulungen für etwaige Herzinfarkte.

Börjesson hat für die Untersuchung Stadien für Spitzenspiele in England, Frankreich, Niederlande, Spanien, Schweden, Italien, Norwegen, Griechenland, Serbien sowie Australien per Fragebogen unter die Lupe genommen. Deutschland war nicht dabei. "Der Deutsche Fußballbund hat sich trotz mehrfacher Anfrage nicht an der Studie beteiligt", kritisierte der Sportarzt Klaus-Peter Mellwig vom Herzzentrum in Bad Oeynhausen, der an der Studie mitgearbeitet hatte. Andere europäische Verbände seien sehr kooperativ gewesen.

In den beteiligten Arenen wurden während der für die Untersuchung ausschlaggebenden Saison 2005 / 2006 77 Herzinfarkte bei insgesamt etwa 45 Millionen Zuschauern registriert. Börjesson verwies darauf, dass bei Fußballzuschauern wegen der "gefühlsmäßigen Anspannung" die Wahrscheinlichkeit einer Herzattacke deutlich erhöht sei. Der Schwede arbeitet unter anderem als Mannschaftsarzt des Göteborger Erstligaclubs GAIS sowie der schwedischen Frauennationalmannschaft.

Zum Abstract der Originalpublikation "Time for action regarding cardiovascular emergency care at sports arenas: a lesson from the arena study"

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