Ärzte Zeitung online, 03.03.2010

THW-Präsident fordert einheitliche Unwetter-Warnungen

BONN (dpa). Bundes- und europaweit einheitliche Unwetter-Warnsysteme hat der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, gefordert. Ein Signal müsse überall die gleiche Bedeutung haben, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Es dürfe nicht in Norddeutschland "Achtung, die Deichwacht wird gebraucht" heißen und in Süddeutschland "Es kommt Schnee". Unwetter-Warnsysteme seien nicht nur technischer Natur. Sie beinhalteten auch, Menschen über richtiges Verhalten im Unwetterfall aufzuklären. Es fehle Europa weniger an technischer Ausrüstung als an guter Informationspolitik.

Gefahrenlagen könnten heute immer zuverlässiger vorhergesagt werden - auch durch die Vernetzung der europäischen Wetterdienste. "Die Bevölkerung muss vorbereitet sein, es müssen Standardprozeduren geplant werden, die müssen vermittelt und dann auch von den Menschen akzeptiert werden", betonte Broemme. "Schalte das Radio an, bleibe im Haus, am besten im ersten Stock - das ist in den meisten Fällen die Grundbotschaft." Die Prozeduren sollten schon im Kindergarten und in der Schule eingeübt werden.

Wenn ein technisches Warnsystem regional gut funktioniere, könnte es auch in anderen Regionen installiert werden - "immer mit dem Ziel der möglichst einheitlichen Umsetzung". Als Beispiel nannte Broemme die Blitzleuchten am Bodensee. Deutschland, Österreich und die Schweiz hätten sich dort auf ein gemeinsames System verständigt. Schnelles Blitzen signalisiere Schiffen, dass sie sofort den nächsten Hafen anfahren müssten. "Ein schönes Beispiel, wie man in einer Region mit einer erkannten Gefahr so umgeht, dass keiner mehr ertrinken muss - es sei denn, einer ignoriert die Blitzleuchten." Dieses System sei auch in anderen europäischen Küstenregionen denkbar.

In islamischen Staaten würden bei Unwettern über Lautsprecher an Moscheen Informationen verbreitet. Eine andere Möglichkeit sei es, per Kurzmitteilung auf dem Handy zentral Warnungen zu verschicken. Auch der Einsatz gewöhnlicher Telefonketten sei sinnvoll: "Ein Beispiel für eine Telefonkette wäre, dass der Bürgermeister angerufen wird und der dann Leute mit einer Klingel durch das Dorf schickt." Für die Zukunft sei denkbar, in jedem europäischen Haushalt einen Rauchmelder zu installieren, der auf Chipkarten Warnimpulse empfängt. "Man muss einfach alle Register ziehen."

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