Ärzte Zeitung online, 08.03.2010
Über
den Einfluss des Internets auf die Wahrnehmung von Impfrisiken
ERFURT (eb). Surfen auf impfkritischen Seiten lässt die
Impfbereitschaft sinken. Das konnten Forscher der Uni Erfurt aktuell in
Online-Studien zeigen. Einzelfallberichte spielen dabei eine
wesentliche Rolle bei der Entscheidung, da sie ein Gefühl der
Bedrohlichkeit auslösen.

Informationen überall - aber wie bewerten und einordnen? © kebox / fotolia.com
"Eltern informieren sich zum Thema Impfen häufig im
Internet. Schon eine einfache Google-Suche nach dem Stichwort Impfen
führt neben Seiten von Pharmafirmen und der
öffentlichen Hand schnell auf Internetangebote dezidierter
Impfkritiker und -gegner. Dort finden Eltern neben impfkritischen
Argumenten häufig emotionale und persönliche
Berichte, die von negativen Erlebnissen nach der Impfung berichten", so
Dr. Cornelia Betschweiß, Psychologin an der Uni Erfurt. Unter
ihrer Leitung hat eine Reihe von Online-Studien belegt, dass es einen
Zusammenhang zwischen dem Surfen auf impfkritischen Internetseiten und
sinkenden Impfintentionen gibt.
Betsch konnte zeigen, dass Einzelfallberichte eine wesentliche
Rolle bei der Entscheidung spielen, da sie ein Gefühl der
Bedrohlichkeit auslösen und so auf das wahrgenommene
Impfrisiko wirken. Auch langfristig wirkt sich eine erhöhte
Risikowahrnehmung aus: Eltern, die das Risiko des Impfens für
hoch halten, ließen ihre Kinder im Untersuchungszeitraum von
fünf Monaten seltener impfen.
Weitere Studien befassen sich mit der Frage, wie im Internet
Impfkampagnen beziehungsweise die Kommunikation von fehlendem Risiko
wirken. Dabei zeigte sich, dass im Zusammenhang mit impfkritischen
Informationen die Verwendung von Furchtappellen zu niedrigeren
Impfintentionen führte als bei Kampagnen, die auf die Vorteile
des Impfens abzielten. "Aber auch das völlige Dementieren
eines Risikos ist unter Umständen nicht von Vorteil. Die
Impfintentionen waren höher, wenn ein Risiko als minimal
dargestellt wurde, als wenn es als null dargestellt wurde", so Betsch.
"Praktiker können aus den Ergebnissen unserer Studien
ableiten, dass es ratsam ist, sich und Eltern die Wirkung von
Einzelfallberichten klar zu machen", sagt Betsch. "Außerdem
sollten Risiken nicht verschwiegen oder verleugnet, sondern relativiert
werden. Dabei sollte man keine Furchtappelle verwenden, aber
über die Erkrankungsrisiken und deren Folgen
aufklären, um Eltern eine informierte Entscheidung zu
erlauben."
Weitere Informationen finden Sie auf der
Homepage der Erfurter Online-Studien

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