Ärzte Zeitung online, 12.03.2010
Das World Wide Web ist Kandidat für den Friedensnobelpreis
OSLO (dpa). Das Internet gehört zu den Kandidaten für
den diesjährigen Friedensnobelpreis. Wie am Freitag aus dem Osloer
Nobelinstitut bestätigt wurde, ist für das World Wide
Web mindestens ein "den Regeln entsprechender und mit Personen verbundener Vorschlag" bei den norwegischen Juroren eingegangen.
Unter anderem die iranische Friedensnobelträgerin des Jahres
2003, Schirin Ebadi, hat sich hinter die Initiative der Italien-Ausgabe
des Internetmagazins "Wired" gestellt.
Nach den Nobelpreis-Regeln können nur Einzelpersonen oder
Institutionen mit persönlichen Repräsentanten den vielleicht
angesehensten Preis der Welt in Empfang nehmen. "Wired" hat deshalb die
beiden Internet-Pioniere Larry Roberts und Vint Cerf aus den USA sowie
den Briten Tim-Berners-Lee stellvertretend für das Internet
benannt.
Über die Bedeutung des Internets für den Frieden
heißt es in einem "Manifest" über den Vorschlag: "Kontakt
mit anderen ist immer das wirksamste Gegenmittel gegen Hass und
Konflikte gewesen. Deshalb ist das Internet ein Instrument für den
Frieden."
Als Hintergrund für die Unterstützung des Vorschlags durch
Ebadi gilt die wichtige Rolle, die das Internet für die
Aktivitäten von Oppositionellen im Iran spielt. Sie konnten
unzensierte Informationen über Demonstrationen und deren
Niederschlagung durch die Behörden mit Hilfe der neuen sozialen
Medien im Netz verbreiten.
Mit insgesamt 237 Nominierungen sind in diesem Jahr so viele
Vorschläge für den Friedenspreis eingegangen wie nie zuvor
seit der ersten Nobelpreisvergabe 1901. Im letzten Jahr entschied sich
das Komitee überraschend für US-Präsident Barack Obama.
Dieser habe in nur einem Amtsjahr eine völlig neue politische
Grundstimmung für Verständigung und Frieden erzeugt. Die
Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen schwedischen Kronen (eine
Million Euro) dotiert.
Der Name des diesjährigen Preisträgers wird Anfang Oktober
bekannt gegeben. Hinter der Initiative für die Vergabe an das
Internet steht auch der italienische Modemacher Giorgio Armani.

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