Ärzte Zeitung online, 15.03.2010

Doping ist nicht nur bei Spitzensportlern verbreitet

BERLIN (eb). Je dichter die Leistungen von Topathleten beieinanderliegen, desto eher neigen Sportler dazu, Dopingmittel zu benutzen. Doch ist Doping nicht allein ein Problem des Spitzensports, sondern es handelt sich um ein flächendeckendes Phänomen. Das ergab die statistische Auswertung von Dopingfällen durch Wissenschaftler aus Münster und Witten-Herdecke.

Doping ist nicht nur bei Spitzensportlern verbreitet

Nicht nur Spitzensportler nehmen offenbar verbotene Substanzen zu sich, um ihre Leistung zu steigern. © Jim Parkin / fotolia.com

Der Anreiz zu Dopen resultiert sowohl aus der Hoffnung, ungedopte Konkurrenten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit besiegen zu können, als auch aus der Furcht, gegenüber (potenziell) gedopten Konkurrenten in einen Wettbewerbsnachteil zu geraten. Das haben Professor Alexander Dilger von Universität Münster und Frank Tolsdorf von der Universität Witten/Herdecke anhand einer statistischen Analyse von 188 Dopingfällen in der Leichtathletik aus den Jahren 1999 bis 2004 festgestellt.

Je dichter die Leistungen der Topathleten beieinanderliegen, desto eher neigen Sportler also dazu, Dopingmittel zu benutzen (Schmollers Jahrbuch 130, 2010, 95).

Regelmäßig wird von den Verbänden das individuelle Fehlverhalten einzelner Athleten ebenso betont, wie es von den Betroffenen bestritten wird. Alle zusammen stellen Doping so dar, als sei es ein vereinzeltes Problem von moralisch zweifelhaft agierenden Athleten.

Die Analyse der 188 Dopingfälle zeigte jedoch, dass es sich bei den des Dopings Überführten keinesfalls um unbedeutende Sportler handelt. Vielmehr befinden sich unter den Athleten viele Weltrekordhalter, Olympiasieger, Weltmeister, sowie Nationalmeister. Diese Ergebnisse stützen die naheliegende Vermutung, dass es sich beim Doping um ein flächendeckendes Phänomen handelt, welches sich durch alle Bereiche des professionellen Sports zieht.

Die Autoren gehen davon aus, dass es auch zukünftig keinen sauberen Sport im traditionellen Sinne geben wird. Tolsdorf erklärt dazu: "Sofern es keine flächendeckenden Dopingtests einschließlich Trainingskontrollen gibt, wird das System des Profisportes dazu führen, dass weiter umfangreich und systematisch mit Dopingmitteln zum Zweck der Leistungssteigerung gearbeitet wird. Eine hohe Aufdeckungswahrscheinlichkeit ist das A und O. Genau daran aber mangelt es systematisch".

Zum Volltext der Studie "Doping und Wettbewerbsintensität"

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