Ärzte Zeitung online, 17.03.2010

Expertin: Zahl der Analphabeten nimmt nicht ab

JENA (dpa). Trotz Hilfsangeboten und Kursen nimmt die Zahl der Analphabeten nicht ab. In Deutschland gebe es seit Jahren konstant etwa vier Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, sagte die Geschäftsführerin des Volkshochschulverbandes Thüringen, Sylvia Kränke.

Ihnen drohe das soziale und berufliche Abseits. "Besonders gefährdet sind diejenigen, die ohne Abschluss die Schule verlassen", erklärte Kränke im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Unsere heutige Zeit ist teils darauf ausgelegt, Lesekompetenz nicht mehr gezielt zu fördern." So werde Text häufig durch Symbole ersetzt - etwa bei der Bedienung des Handys. Zudem spiele das familiäre Umfeld eine wichtige Rolle. Wenn Bücher und Zeitschriften nicht mehr als wichtig angesehen werden und stattdessen das Fernsehen als Zeitvertreib dominiere, verkümmere oft auch die Lese- und Schreibkompetenz.

Der Weg zum Analphabeten sei oft ein längerer Prozess. Zwar lerne in Deutschland jeder in der Schule das Lesen und Schreiben, doch würden diese Fähigkeiten in der Schule mitunter nicht richtig ausgeprägt und später wieder verlernt. Die Rede ist dann von "funktionalen Analphabeten".

Sie gebe es in allen Altersgruppen, sagte Kränke. Häufig würden sich die Betroffenen im Alltag auf andere Weise helfen. Sie hätten ein besser trainiertes Gedächtnis oder dächten sich Ausreden aus, um andere für sich lesen und schreiben zu lassen.

"Die Menschen brauchen Beratung und Unterstützung." Auf einer internationalen Tagung an diesem Donnerstag und Freitag in Jena diskutieren Experten, wie jugendliche Analphabeten besser motiviert werden können.

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