Ärzte Zeitung online, 18.03.2010
Fall Kalinka: Streit um Enthüllungsbuch
PARIS (dpa). In der deutsch-französischen Justiz-Affäre Kalinka gibt es nun zusätzlichen Streit wegen der Veröffentlichung eines Buches über den Fall. Der in Frankreich inhaftierte deutsche Arzt Dieter K. will den Autor André Bamberski und den Verlag wegen mutmaßlicher Vorverurteilung vor Gericht bringen.
Das bestätigte deren Anwältin am Mittwoch in Paris. Bamberski beschuldigt Dieter K. in dem Buch, 1982 seine damals 14 Jahre alte Tochter getötet zu haben. Der Verlag weist in einer Vorbemerkung zu dem Buch darauf hin, dass für Dieter K. die Unschuldsvermutung gelte.
Bamberski soll im vergangenen Oktober die gewaltsame Entführung des mutmaßlichen Täters nach Frankreich organisiert haben. Der 74-Jährige sitzt seitdem in Frankreich in Haft. Ob es zu einem neuen Prozess kommt, ist noch offen.
Dieter K. war der Stiefvater von Kalinka, nachdem deren Mutter sich von Bamberski getrennt hatte. Bamberski ist überzeugt, dass Dieter K. das Mädchen vergewaltigen wollte und ihr eine tödliche Spritze gab.
Der Deutsche wurde 1995 in Abwesenheit von einem französischen Gericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er wurde von der Bundesrepublik aber nie ausgeliefert, weil die deutsche Justiz ein Ermittlungsverfahren zuvor aus Mangel an Beweisen eingestellt hatte. Eine Anhörung wegen des Buches ist für kommenden Dienstag vorgesehen.

Weitere Beiträge