Ärzte Zeitung online, 24.03.2010

Augenzeuge belastet Michael Jacksons Arzt schwer

LOS ANGELES/NEW YORK (dpa). Neue Vorwürfe gegen Michael Jacksons früheren Leibarzt: Dieser soll die Wiederbelebungsversuche in den dramatischen Minuten vor dem Tod des Popstars unterbrochen haben, um Belastungsmaterial wegzuräumen. Ein Angestellter des "King of Pop", Alberto Alvarez, sei Augenzeuge dieses Vorgehens gewesen, wie US-Medien am Dienstag berichteten.

Demnach hob der inzwischen wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Kardiologe Dr. Conrad Murray mehrere Ampullen auf und wies Alvarez an, sie in einer Einkaufstüte verschwinden zu lassen. Erst dann alarmierte er Helfer, hieß es unter anderem beim Internetdienst "E!Online".

Murrays Anwalt Edward Chernoff verwahrte sich CNN zufolge gegen diese Aussagen. Sie widersprächen ersten Angaben, die dieser Zeuge am Tag nach Jacksons Tod vor der Polizei gemacht habe. Chernoff bezichtigte die Staatsanwaltschaft, sie habe den Bericht gezielt an die Presse durchsickern lassen, um zehn Tage vor einem wichtigen Gerichtstermin Stimmung gegen Jacksons früheren Leibarzt zu machen. Murray habe nie versucht, Medikamente oder irgendetwas anderes zu verbergen, erklärte Chernoff nach Angaben der "Los Angeles Times". "Herr Alvarez hat diese, aber auch noch ganz andere Erklärungen abgegeben (...) seine Aussage widerspricht dem Beweismaterial, das vor Ort gefunden wurde. Es ist an der Zeit, dass jeder unter Eid genommen und bei einem Prozess verhört wird", so Chernoff.

Der Popstar erlag am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren einem Herzversagen. Todesursache war eine "akute Vergiftung" mit dem Narkosemittel Propofol, das sein Leibarzt ihm gegen Schlaflosigkeit gespritzt hatte. Laut "E!Online" fand die Polizei die Einkaufstasche später in einem Schrank in Jacksons Schlafzimmer. Mittlerweile erklärte sich Murray nicht schuldig am Tod des Sängers. Er ist gegen eine Kaution von 75 000 Dollar auf freiem Fuß und darf wieder praktizieren. Verboten ist ihm lediglich die Verordnung und Verabreichung von Beruhigungs- und Betäubungsmitteln. Die nächste Anhörung soll am 5. April sein. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Murray bis zu vier Jahre Haft.

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