Ärzte Zeitung online, 26.03.2010

Der Frühling lässt Hormone verrückt spielen

BREMEN (dpa). Die Frühling ist da. Und mit ihm unsere gute Laune: Plötzlich lächeln wir wieder, flirten, sind gut drauf. Woran das liegt erklärt Professor Alexander Lerchl, Hormonbiologe an der Jacobs-Universität in Bremen im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Herr Lerchl, was ist dran an den Frühlingsgefühlen?

Lerchl: "Die gibt es wirklich. Psychologische Untersuchungen haben bewiesen, dass es so etwas wie eine Erholung vom Winter gibt. Das liegt am Licht, es hat eine positive Auswirkung auf die Psyche. Dann kommt die Temperatur hinzu, man fühlt sich wohler, weil man nicht mehr in dicken Sachen eingepackt ist. Die lieben Mitmenschen natürlich auch nicht. Da kann man dann einen Blick auf das andere Geschlecht riskieren."

Es heißt "Im Frühling spielen unsere Hormone verrückt". Stimmt das?

Lerchl: "Das kann man so sagen. Das Hormon Melatonin fördert den Schlaf. Es wird ausschließlich nachts produziert. Weil es im Winter länger dunkel ist, ist der Melatoninspiegel dann auch tagsüber erhöht, wir fühlen uns schläfriger. Beim Übergang vom Winter zum Sommer werden die Melatoninwerte verringert. Es ist heller, wir sind wacher und aktiver. Der Gegenspieler von Melatonin, das Hormon Serotonin, das Glückshormon, wird durch das Sonnenlicht stimuliert. Diese Hormonumstellung spielt auch physiologisch eine große Rolle."

Deswegen sind wir ganz wild auf das andere Geschlecht?

Lerchl: "Tatsächlich ist es so, dass das Sexualhormon Testosteron beim Mann einen jahreszeitlichen Rhythmus hat. Im Frühling und im Sommer wird mehr Testosteron produziert als zu den übrigen Jahreszeiten. Das Hormon ist aber auch für die Psyche wichtig. Ist der Testosteronspiegel erhöht, fühlt sich der Mann einfach wohler. Bei Frauen gibt es solche ausgeprägten jahreszeitlichen Rhythmen dagegen nicht."

Es heißt aber, dass im Frühjahr mehr Frauen schwanger werden.

Lerchl: "Bei den Tieren ist das so. Sie müssen ihre Geburten auf eine Zeit im Jahr legen, wo es die besten Überlebenschancen gibt. Das ist in der Regel der Frühling. Kleine Tiere mit einer kurzen Tragezeit sind deswegen in dieser Jahreszeit reproduktionsmäßig besonders aktiv. Bei Tieren mit langen Tragezeiten wie Rehen dagegen spielt sich die Fortpflanzung in Herbst und Winter ab, mit dem Ziel, dass der Nachwuchs im Frühjahr geboren wird."

Und beim Menschen?

Lerchl: "Beim Menschen gab es diesen Rhythmus bis Mitte der Siebziger Jahre. Der Mai heißt "Wonnemonat", weil in diesem Monat die meisten Kinder gezeugt wurden. Jetzt werden die meisten Kinder im Dezember gezeugt. Wir glauben, dass der biologische Rhythmus von einem sozialen abgelöst wurde. Früher hat das Wetter eine Rolle gespielt, die Menschen waren viel mehr draußen als heute, im Mai war es wärmer als im Winter. Jetzt haben wir Zentralheizungen, die Außenfaktoren schlagen nicht mehr so durch. Man kuschelt jetzt im Dezember mehr. Zudem werden im Dezember mehr Feste gefeiert, man hat mehr Ruhe, mehr Zeit, auch zum Kinder zeugen."

Was kann man tun, um die Frühlingsgefühle zu verstärken?

Lerchl: "Frühlingsgefühle können durch sportliche Aktivitäten gefördert werden oder durch einen morgendlichen Spaziergang, wenn es hell ist. Auch eine künstliche helle Beleuchtung hilft. Aber natürliches Licht ist definitiv besser."

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