Ärzte Zeitung online, 26.03.2010

Krimi in Südbaden: Erst Beton, dann Feuer und Fluss für eine Leiche

KAPPEL-GRAFENHAUSEN (dpa). Die Leiche wollte einfach nicht verschwinden: Zuerst lag der tote Rentner im Keller seines Hauses in Südbaden. Dann betonierte die Witwe ihn ein. Als dies misslang, meißelte sie den Beton wieder weg und versuchte, den Körper im Kachelofen zu verbrennen. Doch wieder blieb etwas übrig, und der Rest landete in einem Fluss.

Bei der Polizei im baden-württembergischen Kappel-Grafenhausen meldete sie den 70-Jährigen jedoch als vermisst. Nun ist die Frau im Visier der Ermittler. Am Freitag meldeten Polizei und Staatsanwaltschaft, sie habe ein Teilgeständnis abgelegt.

Nachbarn des Ehepaars war nach dem Verschwinden des Mannes Merkwürdiges aufgefallen: Sie hatten schwarzen Rauch aus dem Kamin des Hauses in der knapp 5000 Einwohner zählenden Gemeinde aufsteigen sehen und gleichzeitig über einen "üblen Geruch" geklagt. Was sie damals nicht wussten: Im Ofen wurde der Hausbesitzer verbrannt. Die Ehefrau hat dies nun zugegeben. Die Todesursache des Mannes ist noch unklar.

Der Rentner galt seit fünf Monaten als vermisst. Die 54 Jahre alte Ehefrau sitzt seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Sie hatte sich unter anderem verdächtig gemacht, weil sie mit einem Doppelgänger ihres damals schon toten Ehemannes bei einem Anwalt und einem Notar aufgetreten war. Eine Maskenbildnerin hatte den Doppelgänger für seine Rolle hergerichtet. Und von Bekannten hatte sie sich Zement ins Haus bringen lassen. Ebenso eine Säge. Wofür die Frau das Material benötigte, zum Beispiel zum Zerstückeln oder Einbetonieren der Leiche, fragte niemand.

Fest steht bislang nur: Die Witwe hat zugegeben, dass sie die Leiche ihres Mannes verschwinden lassen wollte. Doch Beton und das Feuer des heimischen Kachelofens halfen nichts. Letztlich verstreute sie Asche und Knochenreste vor dem Haus in einen Fluss. Im Flussbett fanden Ermittler am Donnerstag menschliche Knochenreste, an denen noch Spuren von Feuer waren. Nach Erkenntnissen der Polizei lag der tote Rentner monatelang im Keller des Hauses, bevor sich die Frau an die Beseitigung machte.

Sie habe einem Wunsch des Verstorbenen entsprochen, gab die Frau nun bei der Polizei an. Ihr Mann sei bereits seit Sommer vergangenen Jahres tot gewesen. Wie er ums Leben kam, dazu äußert sie sich nicht. Die Polizei muss nun ermitteln, ob es eine Gewalttat war. Oder ob der Rentner, der zuletzt als Rheinfischer arbeitete, eines natürlichen Todes starb.

"Wir wissen, dass der Mann tot ist, aber wir wissen nicht, wie er starb", sagte ein Polizeisprecher. Die Frau bleibt daher in Untersuchungshaft. Falls der Rentner eines natürlichen Todes gestorben ist und seine Witwe tatsächlich nur die Leiche beseitigt hat, wäre das ein Verstoß gegen das Bestattungsrecht und somit eine Ordnungswidrigkeit. Die Folge wäre ein Bußgeld.

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