Ärzte Zeitung online, 01.04.2010

Haiti soll über 9,8 Milliarden Dollar erhalten

NEW YORK (dpa). Haiti kann mit mehr als sieben Milliarden Euro Aufbauhilfe rechnen - wenn denn alle Staaten ihre bei der Geberkonferenz in New York gemachten Versprechen halten. Dem von einem verheerenden Erdbeben zerstörten Land haben am Mittwoch 59 Staaten und Institutionen mehr als 9,8 Milliarden Dollar zugesagt. Damit wurde mehr als doppelt so viel Geld akquiriert wie von UN und USA geplant.

Die Gastgeber hatten 3,9 Milliarden Dollar zum Ziel erklärt, weil diese Summe für den Wiederaufbau des Landes in den nächsten 18 Monaten gebraucht werde. In den nächsten zehn Jahren seien 11,5 Milliarden Dollar nötig. Bei dem Beben am 12. Januar waren mehr als 220 000 Menschen getötet worden, etwa 1,3 Millionen wurden vor Beginn der Regenzeit und der Hurrikansaison obdachlos.

Fast drei Viertel des Geldes kam von drei großen Spendern. Als erste hatte US-Außenministerin Hillary Clinton Haiti 1,15 Milliarden Dollar zugesagt. Das Geld solle in Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Verwaltung investiert werden. "Sie brauchen Hilfe und wir brauchen Haiti. Menschenschmuggel, ausufernder Drogenhandel, Tuberkulose, Aids - das betrifft zuerst die Menschen in Haiti, aber schnell uns alle", sagte Clinton.

Für einen Paukenschlag sorgte aber Venezuela, das Haiti fast doppelt so viel versprach: Fast 2,12 Milliarden Dollar will Caracas spenden, wenn auch knapp die Hälfte davon über zehn Jahre verteilt. Das Land werde damit in den nächsten zehn Jahren einen Teil der Profite aus der Ölförderung weitergeben, sagte ein Kabinettsmitglied. Übertroffen wurde Venezuela nur von der Interamerikanischen Entwicklungsbank: Die IDB will mit 2,2 Milliarden Dollar etwas mehr als Venezuela zahlen, vier Fünftel davon aber auch über die Dekade verteilt.

Die Europäische Union sagte dem schon vor dem Beben ärmsten Land in der westlichen Hemisphäre 1,67 Milliarden Dollar zu, mit denen vor allem Straßen und Gebäude gebaut und andere Infrastrukturprojekte verwirklicht werden sollen. Für Deutschland weist die EU einen Anteil von gut 53 Millionen Dollar aus. Knapp hinter Italien mit 54 Millionen ist Deutschland damit das EU-Mitglied mit dem viertgrößten Anteil. Spanien überweist allein 466 Millionen, Frankreich 188 Millionen Dollar.

"Es geht bei den Spenden der einzelnen Länder nicht um einen Wettbewerb", sagte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton auf die Frage, ob der deutsche Anteil nicht zu gering sei. "Einige Länder haben wichtige Handelsbeziehungen in die Region, andere weniger. Aber das ist Europa, das sind nicht einzelne Länder. Und die Spendensumme repräsentiert das Beste von Europa." Mehr als ein Drittel des EU-Geldes kommt aus dem Haushalt der Europäischen Kommission, den die Deutschen zu einem Fünftel füllen. Damit kommen zu den 53 Millionen Dollar aus Deutschland indirekt noch einmal gut 120 Millionen hinzu.

Die Europäer können nach Angaben der EU noch zusätzlich fast 650 Millionen Euro nach Haiti schicken, die privat gespendet wurden. Dabei kommt mit 195 Millionen der mit Abstand größte Teil aus Deutschland. In Relation zur Einwohnerzahl werden die Deutschen aber zum Beispiel erneut von den Niederländern übertroffen, die 68 Millionen Euro sammelten. Jeder Deutsche gab damit im Schnitt gut 2,30 Euro, jeder Niederländer aber 4,12 Euro. Am großzügigsten zeigten sich aber die Luxemburger, die im Schnitt 9,12 Euro spendeten.

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