Ärzte Zeitung online, 01.04.2010

Neues Blutbad schürt Terror-Angst in Russland

MOSKAU (dpa). Ein neues Blutbad mit mehr als zehn Toten diesmal im Nordkaukasus facht die Angst vor einer Terror-Serie in Russland an. Kurz nach den Moskauer Metro-Anschlägen mit fast 40 Toten sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in der Teilrepublik Dagestan, einem Brennpunkt im Nordkaukasus-Konflikt, in die Luft. 

Beobachter vermuten, dass die Islamisten nach ihren jüngsten Verlusten in den eigenen Reihen mit dem Terror wieder Stärke im Kampf um einen unabhängigen Gottesstaat beweisen wollen. Immerhin müssen sie angesichts der vom Kreml begonnenen Reformpolitik um ihren Einfluss im islamisch geprägten Nordkaukasus fürchten.

Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin sehen dieselben Drahtzieher hinter den beiden Attentaten in Moskau und der dagestanischen Stadt Kisljar. "Ziel der Terroristen ist es, Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten - das werden wir nicht zulassen", sagte Kremlchef Medwedew. "Es ist eine Ehrensache der Rechtsschutzorgane, sie (die Terroristen) vom Grund der Kanalisation ans Tageslicht zu zerren", drohte Putin nach den Moskauer Attentaten. Moskaus Machttandem versprach, den Terror mit einer Mischung aus Gewalt gegen Extremisten und besserer Sozialpolitik zu vernichten.

Doch die meisten Russen zweifeln nach den vielen Anschlägen schon in der Vergangenheit daran, dass die bisherige Politik der Härte zum Ziel führt. Sie fürchten eine unendliche Spirale von Gewalt und Gegengewalt - von brutalen Anti-Terror-Aktionen im Nordkaukasus, die wiederum zu neuen Attentaten führen können. Besonders auch in der Hauptstadt mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern macht sich nach Angaben von Psychologen zunehmend Angst vor neuen Anschlägen breit. Viele Menschen weinten auch am Mittwoch in der Metro.

Wer genau die Hintermänner der vier Selbstmordanschläge dieser Woche sind, war zunächst unklar. Der gesuchte Top-Terrorist Doku Umarow bekannte sich am Mittwochabend in einer Videobotschaft zu dem Anschlag, nachdem es tagsüber noch Berichte darüber gegeben hatte, er habe die Verantwortung von sich gewiesen.

Umarow, der für einen unabhängigen islamischen Gottesstaat im Nordkaukasus kämpft, warf Putin und dem Inlandsgeheimdienst FSB eine "blutige Besatzungspolitik" sowie den Massenmord an friedlichen Menschen in der Region vor. Und er kündigte wie schon zuvor Racheakte in ganz Russland an. "Der Krieg wird in eure Straßen kommen und Ihr werdet ihn in euren eigenen Leben spüren", sagte Umarow nach Angaben der Internetseite kavkaz.tv.

In der Teilrepublik Tschetschenien, dem früheren Kriegsgebiet, regte sich Widerstand gegen eine Vorverurteilung aus Moskau. Der umstrittene tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow bemüht sich nach den Kriegen in seiner Republik seit Langem um ein besseres Image - auch mit der weitgehend wieder aufgebauten Hauptstadt Grosny. Der Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit, die als Nährboden für radikale Tendenzen gelten, müsse verstärkt werden, hatte auch der neue Kreml-Beauftragte für den Nordkaukasus, Alexander Chloponin, gesagt. Er will die Konfliktregion mit einer neuen Wirtschaftspolitik besser in die Russische Föderation integrieren.

Die Spekulationen um die Hintergründe des jüngsten Terrors werden wohl ungeachtet des Bekennervideos von Umarow andauern. Der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, sah auch mögliche Verbindungen nach Georgien, wo der Geheimdienst seit dem Südkaukasuskrieg mit Russland 2008 versuche, die Lage in der bergigen Vielvölkerregion zu destabilisieren. Der Verdacht besteht, dass Georgien Separatisten im russischen Teil des Kaukasus mit finanziert, um den Zerfall Russlands herbeizuführen. So oder so, mahnten Experten einmal mehr, müsse Russland das Terror-Problem auch wegen der Olympischen Winterspiele 2014 in den Griff bekommen. Der Austragungsort Sotschi liegt im Nordkaukasus am Schwarzen Meer.

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