Ärzte Zeitung online, 08.04.2010

Gewaltverbrecher nimmt stundenlang Arzt als Geisel

PARIS (dpa). Ein gefährlicher Schwerverbrecher hat am Mittwoch im Pariser Gefängnis Santé den medizinischen Direktor in seine Gewalt gebracht. Nach mehr als fünf Stunden gab der Häftling auf. Die Geisel sei wohlauf, teilte das Justizministerium mit.

Bei dem Täter handelt es sich nach Medienberichten um den 26-jährigen Francis D., der schon lange Jahre in Heimen und Anstalten verbracht hat und wegen Mordes und Geiselnahmen eine bis 2046 laufende Gefängnisstrafe verbüßt.

Der Häftling hatte gegen Mittag den Mediziner aufgesucht und mit einer spitzen Waffe bedroht. Dabei soll es sich um ein zugespitztes Holzstück handeln, das er in seiner Hose verborgen hatte. Mit der Geiselnahme wollte der Täter seine Verlegung nach Mülhausen erreichen. Francis D. habe außer seiner Begleiterin niemanden, sagte sein Anwalt der Nachrichtensite 20minutes.fr. "Er wollte immer näher zu ihr kommen. Wenn er den Eindruck hat, dass man ihm nicht zuhört, macht er sowas." Die Polizei schickte ein Sondereinsatzkommando in die Santé und riegelte das Viertel ab.

Laut 20minutes.fr lebt der aus einer Trinkerfamilie stammende Francis D. seit seinem 13. Lebensjahr in Heimen und Anstalten. Seine Schwester, die sich um ihn gekümmert habe, sei an einer Überdosis Rauschgift gestorben. Als 17-Jähriger sei Francis wegen Vergewaltigung zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Mit 19 Jahren habe er im Gefängnis von Metz einen Mithäftling im Streit um das Fernsehprogramm geschlagen, gefesselt, geknebelt, mit einem Kabel erwürgt und mit einer Gabel erstochen.

Vor Gericht hatte Francis D. laut 20minutes.fr erklärt: "Ich werde im Knast sterben. Was riskiere ich also? Ich kann weiter töten, schlagen und jeden Mist machen. Das wird nicht schlimmer für mich." In der Santé war der Verbrecher in einer Abteilung für besonders streng überwachte Straftäter untergebracht. Obwohl er bereits 2006 unter ähnlichen Haftbedingungen in Nancy einen Psychiater als Geisel genommen hatte, konnte er erneut zur Tat schreiten. Damals hatte der Täter nach zwei Stunden aufgegeben.

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