Ärzte Zeitung, 13.04.2010

"Es ist wie eine Art Hausgeburt in der Klinik"

In Bonn ist der deutschlandweit erste Hebammenkreißsaal an einer Uniklinik entstanden.

KÖLN (dad). Mit ihrem ärztefreien Hebammenkreißsaal stößt die Uniklinik Bonn auf gute Resonanz. Verläuft die Geburt unproblematisch, bleiben die Frauen ausschließlich in der Obhut der Hebamme, nur bei Komplikationen kommt ein Arzt hinzu. Zur Zeit entbinden dort 15 Frauen im Monat. Bleibt die Nachfrage konstant, wird das Angebot ausgebaut, berichtet Andreas Kocks von der Pflegedirektion.

Vor allem Frauen, die eine natürliche Geburt bevorzugen und gleichzeitig nicht auf die Sicherheit der ärztlichen Betreuung verzichten wollen, entscheiden sich für eine Entbindung im Hebammenkreißsaal. "Man kann sagen, die Geburt ist eine Art Hausgeburt in klinischem Setting", fasst Kocks das Konzept zusammen. Bonn hat bundesweit den ersten Hebammenkreißsaal an einer Uniklinik.

Kocks sieht das Angebot nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des ärztegeleiteten Kreißsaals. Dies bestätigt Professor Ulrich Gembruch, Direktor der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin: "Wir haben Frauen gewonnen, die wir vorher nicht erreicht haben, da sie vielleicht Angst vorm Krankenhaus haben." Auch diese Frauen könnten jetzt von der Sicherheit, die eine Klinik bietet, profitieren.

Meistens sei die Anwesenheit eines Arztes nicht vonnöten, weil die Einstufung der Schwangeren mit Hilfe des interdisziplinär erarbeiteten Kriterienkatalogs erfolgt sei, erklärt Gembruch. Problematische Entwicklungen ließen sich trotz intensiver Anamnese jedoch nicht ausschließen. "Dies liegt auch daran, dass der Spagat zwischen Risikogeburten und physiologischen Geburten in einer Uniklinik besonders groß ist", sagt Kocks.

Eine Kosten-Wirksamkeitsanalyse dieses Modells steht noch aus. Den Einsparungen im medizinischen Bereich steht eine personalintensive Betreuung gegenüber, sagt Kocks. "Der Hebammenkreißsaal soll kein Modell zur Kostensenkung sein, sondern ein Modell zur Gesundheitsförderung."

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Schwangerschaftsprobleme (2415)
[20.04.2011, 09:56:32]
Dr. Florian Lenz 
Familienfreundliche Geburtshilfe
Die zunehmende Individualisierung in der Geburtshilfe und der Wunsch der Eltern eine sichere Geburt wie auch eine möglichst natürliche Geburt erleben zu können, führt mehr und mehr zur Verschmelzung von Beleghebammentätigkeit und institutioneller Geburtshilfe.
Auch Initiativen wie die der ´Babyfreundlichen Krankenhäuser`der WHO finden immer mehr Zuspruch. Bisher heben sich nur wenige Universitätskliniken durch solche Initiativen von ihrer Konkurrenz ab.
Daher sollten eigentlich bestehende Kooperationen, die die familienorientierte Geburtshilfe unterstützen, intensiviert werden.
Als ehemaliger Oberarzt der Frauenklinik Heidelberg bedaure ich die Loslösung vom Heidelberger Gebärzimmer, welches eine einzigartige Verbindung von universitärem Anspruch und freier Hebammentätigkeit darstellte. Vielleicht läßt sich ja doch ein Hebammenkreissaal nach dem Bonner Beispiel implementieren und fanilienfreundliche Angebote, wie das Bonding ausbauen. zum Beitrag »
[17.04.2011, 23:01:44]
Dr. Robert Dunckelmann 
Hebammenkreißsaal in Heidelberg schon vor 27 Jahren
Das Vorgehen der Uniklinik Bonn halte ich für sehr gut und zeitgemäß. Ganz neu ist diese Idee eines Hebammenkreißsaals allerdings nicht. Bereits vor 27 Jahren hat der damalige Leiter der Gynäkologie der Uniklinik Heidelberg Prof. Kubli und die Hebamme Mechthild Zarth einen Hebammenkreißsaal initiiert. Dieser hat in Form des Heidelberger Gebärzimmers bis heute Bestand und ist nur im Laufe der Zeit aufgrund von Umstrukturierungen von der Frauenklinik direkt in das Nebengebäude gezogen. Im Rahmen des Neubaus der Heidelberger Neonatologie und Frauenklinik ist die Fortführung dieser erfolgreichen Kooperation allerdings leider nicht mit eingeplant. Als Pädiater würde ich hoffen, daß sich diesbezüglich noch eine Lösung finden liesse, denn wie das Bonner Beispiel zeigt, ist der Bedarf für eine `Art Hausgeburt in der Klinik` vorhanden und wird auch weiter bestehen. zum Beitrag »

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