Ärzte Zeitung online, 16.04.2010

Suche nach Opfern des Erdbebens in China - mindestens 760 Tote

PEKING (dpa). Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben mit 760 Toten geht im tibetischen Hochland in Westchina die Suche nach Überlebenden weiter. Unter den Trümmern werden noch 243 Menschen vermisst. 11 477 Menschen wurden verletzt, davon 1174 schwer, sagte ein Sprecher des Katastrophenhauptquartiers der Präfektur Yushu laut Nachrichtenagentur Xinhua.

Tausende Obdachlose verbrachten eine zweite Nacht bei eisigen Temperaturen im Freien. Bei einem Besuch im Erdbebengebiet sagte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao: "Die erste Priorität ist die Rettung von Menschenleben. Wir werden niemals aufgeben, solange auch nur ein bisschen Hoffnung besteht." Für seine Visite bei den Erdbebenopfern hatte der Regierungschef eine Reise nach Brunei, Indonesien und Birma verschoben. Ähnlich verkürzte Staats- und Parteichef Hu Jintao seine Lateinamerikareise und kehrte vorzeitig nach China zurück.

Aus allen Teilen Chinas trafen inzwischen Hilfsgüter wie Zelte, Nahrung, Trinkwasser und warme Decken in dem weit abgelegenen Erdbebengebiet im Süden der Provinz Qinghai an der Grenze zur Autonomen Region Tibet ein. Die kalten Temperaturen, häufige Nachbeben und die unter den eingeflogenen Rettungskräften verbreitete Höhenkrankheit erschwerten die Bergungsarbeiten. Das Erdbebengebiet liegt auf 4000 Meter Höhe, wo der Sauerstoff spürbar knapp ist.

Ärzteteams aus anderen Regionen wurden mobilisiert. Es mangelte aber an medizinischem Personal, das den lokalen tibetischen Dialekt sprechen kann. Einige Babys kamen in Zelten zur Welt, wie Xinhua berichtete. Viele Menschen mussten weiter unter freiem Himmel übernachten. "Wir haben Glück gehabt. Andere haben ihr Leben verloren", sagte eine Obdachlose laut Nachrichtenagentur Xinhua. Tausende Rettungskräfte suchten in den Trümmern der eingestürzten Häuser nach Überlebenden.

"Wir haben dutzende Menschen ausgegraben. Fünf von ihnen lebten noch", sagte der 25-jährige Lama Neume Dorje, der mit anderen Mönchen aus einem Kloster im benachbarten Garze in der Provinz Sichuan gekommen war, um zu helfen. "Wir haben kein Werkzeug, außer unseren Händen." Seine Robe war mit Staub bedeckt. "Wir wechseln uns ab, um Pause zu machen", sagte der Mönch. "Wir können nicht aufhören." Die Rettungsarbeiten sollten rund um die Uhr weiterlaufen. "Wir retten die Lebenden und entlassen die Seelen der Toten."

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