Ärzte Zeitung, 21.05.2010

"Kunst ist wie Medizin - sie kann heilen"

Toulouse-Lautrec, Gauguin, Beckmann, Kollwitz, Picasso, Kandinsky, Warhol, Richter - nie zuvor haben die Internationalen Tage in Ingelheim so viele Ikonen der Kunst für eine einzige Ausstellung zusammengetragen.

Von Pete Smith

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Dem Trauma des Ersten Weltkrieges ein Gesicht geben: Das fassungslose Leid zeigte Käthe Kollwitz mit "Die Witwe" von 1922/23. © Smith (3)

INGELHEIM. Das 125-jährige Jubiläum des Arzneimittel-Herstellers Boehringer Ingelheim ist Anlass einer einzigartigen Ausstellung: Im Alten Rathaus Ingelheim sind die grafischen Werke der wichtigen Künstler des 20. Jahrhunderts zu sehen. Mit den "Zeitkurven der grafischen Künste im XX. Jahrhundert" will Kuratorin Dr. Patricia Rochard vor allem den Gründer und Mäzen der seit 1959 stattfindenden Ausstellung ehren.

In sieben Kapiteln illustriert die Exposition die Zeitwenden grafischer Kunst. Max Klinger, Henri Toulouse-Lautrec und Paul Gauguin stehen zu Beginn einer spannenden Zeitreise exemplarisch für den Aufbruch in eine neue Zeit. Eine Welle der Euphorie rollte durch Europa, die Freiheit der Kunst artikulierte sich in einer kreativen Vielfalt, die bis dato ihresgleichen suchte. Den Albtraum des Kriegs symbolisieren Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz, Otto Dix und Max Beckmann. "Schmerz ist ganz dunkel", schrieb Käthe Kollwitz und so lesen sich ihre Holzschnitte, die dem fassungslosen Leid ein Gesicht leihen.

Dem Trauma des Ersten Weltkriegs folgt in den 1920er Jahren die euphorische Hoffnung auf einen Neubeginn, die sich in den konstruktivistischen Arbeiten eines Wassily Kandinsky und El Lissitzky ebenso spiegelt wie in den dadaistischen Werken von Kurt Schwitters und Hans Arp. Auch Picasso ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben US-Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Jasper Johns, Robert Indiana und Robert Rauschenberg die Richtung vor. Pop-Art, Op-Art, Action Painting und Hard Edge - die Namen sind so bunt wie die Bilder, die aus der Ikonografie des 20. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken sind. Die Popstars aus Übersee werden zum Jahrtausendwechsel von Deutschen beerbt - allen voran von Gerhard Richter, dem wohl bedeutendsten Künstler der Gegenwart.

Mit dem letzten Kapitel schließt sich der Kreis. "Last Supper" ist der Titel einer Grafik-Serie des britischen Künstlers Damien Hirst. Das letzte Abendmahl Jesu wird durch 13 Siebdrucke symbolisiert, die den Verpackungen diverser Medikamente von bekannten Arzneimittel-Herstellern - darunter natürlich auch Boehringer Ingelheim - nachempfunden sind. Hirsts provokative These: Industriell gefertigte Medizin besitzt heute jene Heilkraft, die früher dem Glauben an Jesus zugeschrieben wurde: "Kunst ist wie Medizin - sie kann heilen."

Ausstellung bis zum 4. Juli. Infos: www.internationale-tage.de

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