Ärzte Zeitung, 15.07.2010

Der Arzt zwischen Gott, Engel und Teufel

Wie wird der Arzt in den verschiedenen Epochen in der Kunst dargestellt? Im Hildener Wilhelm-Fabry-Museum zeigt eine Ausstellung viele Facetten des Arztberufes: Früher war er ein Engel, wenn er half - heute wird er mit Mundschutz und Handschuhen immer anonymer.

Von Anne-Christin Gröger

Der Arzt zwischen Gott, Engel und Teufel

Unrasiert und vernarbt: Die Kunsthistorikerin Dr. Sandra Abend erklärt die Dix-Kopie: "Der Urologe Dr. Koch".

© Gröger

HILDEN. Heiler, Forscher, Halbgott in Weiß, aber auch Halsabschneider, der den Patienten das Geld aus der Tasche zieht - die vielfältigen Interpretationen des Arztberufes haben Künstler über die Jahrtausende inspiriert und angeregt, den zeitgenössischen Mediziner ins Bild zu setzen.

Im Hildener Wilhelm-Fabry-Museum zeigt die Ausstellung "Götter in Weiß - Arztmythen in der Kunst" Arztbilder von der Antike bis in die heutige Zeit. Die Exponate spannen den Bogen vom antiken Gottarzt Asklepios mit den Attributen der Schlange und des Wanderstabes über die Chirurgenlegende Ferdinand Sauerbruch bis heute.

"In medizinhistorischen Abhandlungen spielen Arztbilder eine große Rolle, während sie in der Kunstgeschichte vernachlässigt werden", sagt Kunsthistorikerin Dr. Sandra Abend, die die Ausstellung entworfen hat. "Die Sammlung widmet sich deshalb ganz speziell der künstlerischen Darstellung des Mediziners in verschiedenen Epochen."

Hendrik Goltzius etwa zeigt in einer Serie aus dem 16. Jahrhundert den Arzt als Gott, Engel und Teufel. Die Darstellung beruht auf einem Gedicht, nach dem der Patient den Mediziner als Engel sieht, sobald er ihm bei Beschwerden einen Rat gibt, als Gott, wenn er ihn geheilt hat und als Teufel, sobald es ans Bezahlen geht. Künstler des 20. Jahrhunderts wie Maina-Miriam Munsky, Dietrich Fröhner oder Erich Salomon zeigen in Farbradierungen, Fotografien oder Lithografien die zunehmende Anonymisierung des Mediziners, bedingt durch Hygienevorschriften wie Kittel, Mundschutz und Gummihandschuhe.

Doch der Arzt wird nicht nur heroisiert. Karikaturen weisen auf die Grenzen des Berufes hin. In der Lithografie "Im guten Glauben" von 1956 ist ein Esel im weißen Kittel mit Brille und Spritze dargestellt. Paul Weber zeigt ihn auf zwei Büchern stehend mit einem tanzenden, ihn verspottenden Totentanzreigen um ihn herum.

Wenig vorteilhaft charakterisiert auch Otto Dix den "Urologen Dr. Koch". Verwirrt schaut Koch, der in Hilden als Dix-Kopie von Jose Fernandez hängt, durch seinen Kneifer, unrasiert und vernarbt ist das Gesicht, kalt und metallisch wirken die Untersuchungsutensilien im Hintergrund. Zwei Jahre nach Entstehung des Werkes sollte Kochs Frau Martha ihn verlassen, um den Künstler Dix zu heiraten.

Die Ausstellung greift aber auch immer wieder die Gratwanderung zwischen Leben und Tod auf. So wie Rüdiger Bartels Lithografie "Aufbahrung" von 1987, die die ganze Verzweiflung eines Mediziners ausdrückt, der gegen die Krankheit verloren hat oder das Bild von Ivo Saliger "Der Röntgenologe schießt mit Röntgenstrahlen auf den Tod", auf dem der Arzt den Kampf mit dem Tod um das Leben einer jungen Frau gewinnt - für den Moment.

Die Ausstellung ist noch bis 18. Juli im Wilhelm-Fabry-Museum Hilden zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags 15-17 Uhr, donnerstags 15 bis 20 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 11-13 Uhr und 14 - 18 Uhr.

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