Ärzte Zeitung, 01.06.2010

Medizin-Professoren lassen Studenten tanzen

Wochenlang haben Professoren aus Göttingen ihre Plattensammlung durchstöbert und dann als DJs ihren Studenten auf den Tanzflächen der Stadt ordentlich eingeheizt.

Von Heidi Niemann

Medizin-Professoren lassen Studenten tanzen

Ungewöhnliche Herausforderung am DJ-Pult: Die Medizinprofessoren Michael Stürmer, Joachim Lotz und Matthias Bähr (von links)

© Rink

GÖTTINGEN. Professor Joachim Lotz ist aufgeregt. Vor zehn Wochen ist der 42-jährige Mediziner von der Medizinischen Hochschule Hannover nach Göttingen gewechselt. Er hat Karriere gemacht, leitet nun die Abteilung Diagnostische Radiologie der Göttinger Universitätsmedizin. Jetzt steht er in einer Kneipe und hantiert an einem Schaltpult. "Ich wusste nicht, was in Göttingen auf mich zukommt", sagt Lotz. Der Medizinprofessor steht vor einer ganz neuen Herausforderung: Er muss seine Studenten zum Tanzen animieren. Der Radiologe ist einer von 23 Professoren, die bei der bundesweit bisher einzigartigen Benefiz-Veranstaltung "profs@turntables - Deine Professoren legen auf" in sechs Göttinger Lokalen als Discjockey auftreten.

Die Veranstaltung, die in diesem Jahr zum vierten Mal stattfindet, ist inzwischen zur Kultparty avanciert. "Hier könnt ihr eure Profs mal anders erleben", verkünden Milad Safar und Leonie von Rantzau in ihrer Begrüßungsansprache. Die beiden Studenten leiten die Nachwuchsorganisationen des Rotary und des Lions Clubs, die das Spektakel organisieren. Der Eintritt von fünf Euro kommt gemeinnützigen Projekten zugute - einem Gewaltpräventionsprojekt des Jungen Theaters in Göttingen, dem Reittherapiezentrum in Friedland und der Hilfsorganisation Shelterbox, die Überlebenskisten in Katastrophengebiete befördert.

Medizin-Professoren lassen Studenten tanzen

"Support Bertram - Doctor Waaave": Der Leiter des Göttinger Tierärztlichen Instituts, Professor Bertram Brenig, ist mit Feuer und Flamme dabei.

© Rink/pid

Professor Lotz hört eigentlich meistens klassische Musik. Als jedoch die Anfrage der Studenten kam, hat er sofort zugesagt.

"Das hat mich an meine dunkle Seite erinnert", schmunzelt er. So hat er in den vergangenen Wochen immer nach Feierabend seine Scheiben durchgehört und gegrübelt, welche Stücke er in welcher Reihenfolge spielen soll. "Das ist richtig Arbeit", bestätigt sein Kollege Matthias Bähr, der sich während der Pfingstfeiertage auf seinen DJ-Auftritt vorbereitet hat.

Der 50-jährige Neurowissenschaftler ist zum wiederholten Mal bei der Veranstaltung dabei und hält sich auch sonst ständig musikalisch auf dem Laufenden. Wenn Bähr zu auswärtigen Kongressen unterwegs ist, geht er abends oft noch in Clubs und Lokale. "Ich hör mir an, was da so läuft." Für den Göttinger Partyabend hat der Bähr eine bunte Mischung aus Rhythm & Blues, Hip-Hop und Electro-Lounge vorbereitet.

Erst einmal muss aber Joachim Lotz Stimmung in den Laden bringen, Musik der 70-er, 80-er und 90-er hat er ausgesucht. Es beginnt mit Dusty Springfield, nach einer Viertelstunde wagen sich bei Billy Joel die ersten auf die Tanzfläche. Derweil steppt in einem anderen Lokal beim Direktor des Tierärztlichen Instituts, Professor Bertram Brenig, bereits der Bär. "Es macht riesigen Spaß, mit Studenten außerhalb der Uni etwas zu machen", freut sich der Molekulargenetiker. "Ich finde es toll, dass sich die Studenten so einbringen."

Bei den Medizinern ist es derweil brechend voll geworden. "Dies ist die schwerste Stunde meines Lebens", meint der Kardiologe Professor Lars Maier, der inzwischen die Regie am DJ-Pult übernommen hat. Doch auch er versteht es, die Stimmung am Kochen zu halten.

Um Mitternacht legt dann der Leiter der Unfallchirurgie im Göttinger Uniklinikum, Professor Michael Stürmer, los. Seine Doktoranden und seine Examensgruppe sind ebenfalls alle mit dabei. Stürmer ist auf eine lange Nacht eingestellt. "Ich lege so lange auf, wie die Stimmung gut und die Tanzfläche voll ist." Das dauert bei ihm immer bis in die frühen Morgenstunden.

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