Ärzte Zeitung, 04.06.2010

Online-Suchthilfe gibt es jetzt auch auf Türkisch

Köln will Hemmschwellen bei Migranten abbauen

KÖLN (iss). In Köln ist ein neues niedrigschwelliges Informationsangebot für türkischsprachige Suchtkranke initiiert worden. Das Internetportal www.suchthilfe-koeln.de ist jetzt auch in türkischer Sprache freigeschaltet. Alkohol- und Medikamentenabhängige und ihre Angehörigen finden dort Informationen über die Erkrankung und über das Suchthilfesystem in Köln.

"Das Portal wendet sich an Betroffene und Angehörige, die - noch - nicht bereit sind, eine Beratungsstelle aufzusuchen", sagte Marlis Bredehorst, Dezernentin für Soziales, Integration und Umwelt der Stadt Köln. Bei Menschen mit Migrationshintergrund liege die Hemmschwelle oft noch höher als in der deutschen Bevölkerung, insbesondere da die Sucht in vielen ethnischen Gruppen mit einem Tabu belegt sei. Das Portal biete ihnen die Chance, sich anonym und diskret Informationen zu beschaffen.

Das deutschsprachige Portal der Kölner Arbeitsgemeinschaft für Suchtfragen ist im September 2009 freigeschaltet worden, allein im Mai 2010 registrierte es 3000 Besucher. Die meisten Zugriffe erfolgten bei Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen sowie dem Forum.

Ein Ziel des türkischsprachigen Angebotes sei es, die Bildung von Selbsthilfegruppen zu fördern, erläuterte der Kölner Suchtkoordinator Dr. Herbert Berger. "Migranten tun sich schwer mit der Inanspruchnahme des deutschen Gesundheitssystems, und das Gesundheitssystem tut sich schwer damit, den Migranten zu helfen", sagte Berger. Zum Start sind die deutschen Seiten zunächst auf Türkisch übersetzt worden. Auf lange Sicht sollen die Inhalte auch an den kulturellen Hintergrund der Nutzer angepasst werden. Eine russische Version des Portals ist in Vorbereitung, weitere Sprachen sollen folgen.

www.suchthilfe-koeln.de

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