Ärzte Zeitung online, 02.06.2010

Wie geht es weiter mit Ballack? WM wird mit entscheiden

Wie geht es weiter mit Ballack? WM wird mit entscheiden

EPPAN/FRANKFURT (dpa). Uli Hoeneß rät zum Rücktritt, Philipp Lahm sieht sich nur als Kapitän auf Zeit - doch für den verletzten Michael Ballack ist das Thema Nationalmannschaft derzeit weit weg. Während seine Auswahl-Kollegen nach dem Trainingslager in Südtirol die letzte Vorbereitungs-Etappe für die Fußball-WM in Südafrika in Angriff nehmen, hat sich Ballack erst einmal in die USA zurückgezogen.

Tausende Kilometer entfernt will der 33-Jährige den Kopf freibekommen von dem Schock, den der böse Tritt von Kevin-Prince Boateng bei ihm selbst und in Fußball-Deutschland ausgelöst hat. "Ich glaube, dass es ein Problem ist, ohne den Leader schlechthin da rein zu gehen", erklärte Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu Ballacks Fehlen beim Turnier in Südafrika.

Nationalspieler Ballack, der nach 98 Länderspielen an diesem Donnerstag in Frankfurt mit einem Einsatz gegen Bosnien-Herzegowina eigentlich in den illustren "Club der Hunderter" einziehen wollte, wird sich nach seiner Fußverletzung in den kommenden Wochen vorrangig um seine Genesung kümmern. Zu Wochenbeginn hat er den Heilungsverlauf in München nochmals von Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt beurteilen lassen. Wie und wo die Rehabilitation nach seinen Bänderrissen im rechten Fuß laufen wird, soll erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

"Als Freund würde ich Michael empfehlen, sich nach der Weltmeisterschaft voll auf seinen Verein zu konzentrieren", erklärte Bayern-Präsident Hoeneß in der "Sport Bild" (Mittwochsausgabe). "Ich glaube nicht, dass es klug ist, die EM 2012 noch als großes Ziel ins Auge zu fassen. Auch wenn es bitter ist: Man muss den Zeitpunkt, wann etwas genug ist, auch erkennen", ergänzte Hoeneß. Zugleich votiert der Münchner Präsident dafür, dass Lahm über die WM hinaus weiter die Kapitänsbinde im Nationalteam trägt. Lahm selbst sieht sich dagegen nur als Kapitän, "bis Michael wieder zurück ist".

Franz Beckenbauer und auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatten im Gegensatz zu Hoeneß dem Wahl-Londoner Ballack ans Herz gelegt, im DFB-Team weiterzumachen. "So kann eine Karriere nicht enden", meinte Beckenbauer. Ballack selbst hatte nach seiner schweren Verletzung erklärt, dass er natürlich auch daran denke, weiter für Deutschland zu spielen. "Ich glaube nicht, dass eine EM mit 35 Jahren bei seiner tollen Karriere noch erstrebenswert ist", bemerkte Hoeneß.

"In der neuen Saison werde ich zurück sein und wieder angreifen", betonte der gebürtige Görlitzer. Vieles dürfte auch mit vom Verlauf der Weltmeisterschaft in Südafrika ohne Ballack und der offenen Bundestrainer-Frage für die Zeit danach abhängen. "Ich muss das alles neu sortieren, neu bewerten. Ich muss gesund zurückkommen, das ist das Wichtigste", hatte Ballack zu seinen Plänen erklärt.

Nach seinem Innenbandriss und einem Teilanriss des Syndesmosebandes muss er noch bis Mitte Juni Gips tragen. Dann soll ein Spezialschuh angepasst werden, weshalb frühestens Ende Juni das Rehabilitations- und Aufbautraining beginnen kann. Noch immer hat Ballack auch einen Besuch beim DFB-Team in Südafrika im Kopf, allerdings nicht für die erste Turnierphase. "Das wird mit von meinem Gesundheitszustand abhängig sein. Meiner Genesung werde ich alles unterordnen", sagte Ballack.

Weiter ungeklärt ist seine Club-Zukunft. Der Vertrag mit dem FC Chelsea läuft zum 30. Juni aus. Der mächtige Club-Eigentümer Roman Abramowitsch hatte nach dem Champions-League-Aus der Londoner im Viertelfinale gegen Inter Mailand alle Verlängerungs-Gespräche auf Eis gelegt. Zuletzt war im März über einen neuen Ein-Jahres-Kontrakt für Ballack debattiert worden. Nach wie vor soll es keinen "Plan B" geben, in nächster Zeit könnte aber Bewegung in die Sache kommen. Allein-Entscheider Abramowitsch hatte sich zuletzt um andere Dinge als sein "Spielzeug" FC Chelsea gekümmert.

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