Ärzte Zeitung online, 03.06.2010

Amoklauf in Großbritannien: Erbstreit könnte Auslöser sein

LONDON (dpa). Hinter dem Amoklauf mit 13 Toten und zahlreichen Verletzten in Nordengland steckt möglicherweise ein Erbstreit. Einen Tag nach den brutalen Taten eines Taxifahrers in der Grafschaft Cumbria untersuchte die Polizei am Donnerstag Hinweise auf einen Streit um das Testament der Mutter des Amokläufers. Die Mutter soll todkrank sein.

Der 52-Jährige hatte am Mittwoch in der beschaulichen Urlaubsregion zwölf Menschen erschossen, elf verletzt und sich anschließend selber getötet. Die Polizei war zunächst von 25 Verletzten ausgegangen, korrigierte die Zahl aber später.

Mehrere Medien berichteten am Donnerstag übereinstimmend, dass der Mann am Morgen zunächst seinen Zwillingsbruder und den Anwalt der Familie erschossen habe. Danach habe er sich in ein Auto gesetzt und sei durch die Gegend gefahren. Sein drittes Opfer soll ein Kollege gewesen sein, den er an einem Taxistand in der Hafenstadt Whitehaven tötete.

Am Abend vorher soll es einen Streit unter den Taxifahrern gegeben haben. Die Polizei wollte die Berichte nicht kommentieren und betonte, man arbeite mit Hochtouren an der Aufklärung des Falls.

"Unsere Polizisten versuchen, eine präzise Zeitfolge der Ereignisse aufzustellen und die exakte Route zu identifizieren, die der Mann gefahren ist", teilte die Polizei der Grafschaft Cumbria mit. Der Amokläufer habe einen Waffenschein gehabt. Berichte, dass ein Gewehr und eine Schrotflinte gefunden worden seien, bestätigte ein Polizeisprecher nicht. Ebenfalls keine Auskunft wollten die Beamten darüber geben, ob der Mann wahllos um sich schoss oder die ganze Zeit zielgerichtet tötete.

Die Zeitung "Daily Telegraph" schrieb, dass der Amokläufer auf seiner Fahrt Passanten ermordete, die ihm zufällig begegneten. Aus dem zerbrochenen Fenster seines Autos soll ein riesiges Gewehr gehangen haben. Zu den Opfern gehören weiteren Medienberichten zufolge ein 30 Jahre alter Mann, der gerade eine Hecke schnitt, sowie eine ältere Frau, die Kataloge austrug. Auch ein älterer Radfahrer soll dem Amokläufer durch Zufall vor das Gewehr gekommen sein.

In dem Dorf Rowrah, in dem der 52-Jährige lebte, herrschte Fassungslosigkeit. "Er war so ein netter Mensch", sagte einer seiner Freunde der Zeitung "The Times". "Ich weiß, es hört sich seltsam an, aber er war ein ganz normaler Kerl." Eine Frau, die ihn von der Arbeit am Taxistand kannte, sagte: "Wir sind im Moment wie betäubt. Wir wollen einfach nur wissen, warum er das getan hat."

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