Ärzte Zeitung online, 08.06.2010

Absturz von Smolensk: Moskau weist Vorwurf zurück

MOSKAU (dpa). Russland hat Vorwürfe aus Warschau zurückgewiesen, wonach Polizisten nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine bei Smolensk die Trümmer geplündert haben sollen. Die Behauptung aus Warschau, mit der Kreditkarte eines der 96 Opfer sei Geld abgehoben worden, sei "zynisch".

Das teilte das Innenministerium in Moskau am Montag nach Angaben des Staatsfernsehens mit. Der polnische Regierungssprecher Pawel Gras korrigierte zwar seine Aussage vom Vortag, blieb aber bei der Behauptung, russische Sicherheitskräfte hätten das Konto geplündert.

Es habe sich nicht um Mitglieder der Sondereinheit OMON des russischen Innenministeriums gehandelt, sondern um Funktionäre oder Soldaten anderer Einheiten, sagte Gras am Dienstag in Warschau. Der polnische Inlandsgeheimdienst ABW teilte unterdessen mit, dass es insgesamt elf illegale Geldtransfers vom Bankkonto des tödlich verunglückten Gedenkstätten-Ministers Andrzej Przewiznik gegeben habe.

Der erste Zugriff erfolgte demnach bereits 80 Minuten nach dem Absturz am 10. April. Am Sonntag hatte Gras gesagt, drei OMON-Männer hätten 6000 Zloty (rund 1500 Euro) abgehoben.

"Niemand von der Smolensker Polizei wurde im Zusammenhang mit Handlungen festgenommen, die von den Medien beschrieben wurden", widersprach das Innenministerium in Moskau. Im Gegenteil seien mehrere russische Polizisten vom amtierenden polnischen Präsidenten Bronislaw Komoroski für ihren Einsatz nach der Flugzeugkatastrophe geehrt worden. "In diesem Zusammenhang wirken die Anschuldigungen umso zynischer", sagte ein Ministeriumssprecher.

Auch ein Sprecher der in Smolensk stationierten Truppen dementierte eine Beteiligung. "Niemand von ihnen hat direkt neben der Unglücksstelle gearbeitet, niemand von ihnen ist mit den Leichen oder ihrem Eigentum in Berührung gekommen", sagte er.

Die national-konservative Opposition in Warschau forderte unterdessen Ministerpräsident Donald Tusk auf, das Parlament über das "Ausrauben der Opfer" zu informieren. Die Parlamentsfraktion der Partei Recht und Gerechtigkeit PiS stellte einen entsprechenden Antrag im Sejm. PiS hatte wiederholt ihr Misstrauen gegenüber den russischen Ermittlern geäußert und die Übernahme des Verfahrens durch die polnische Staatsanwaltschaft gefordert.

Bei dem Absturz nahe der westrussischen Stadt Smolensk waren Präsident Kaczynski sowie seine Frau Maria und 94 ranghohe polnische Politiker, Militärs und Geistliche ums Leben gekommen.

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