Ärzte Zeitung online, 08.06.2010

Verkehrsclub beklagt Tarifchaos bei der Bahn

BERLIN (dpa). Sparpreis, Lidl-Ticket, Bahncard - viele Reisende finden die unterschiedlichen Tarife der Deutschen Bahn verwirrend. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Auftrag gegebene Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Danach geben Bahnnutzer den Tarifsystemen von Nah- und Fernverkehr die Schulnote 4. "Die Tarifvielfalt ist fürchterlich", kritisierte der VCD-Bundesvorsitzende Michael Gehrmann. Vor allem mangelnde Informationen über die unterschiedlichen Angebote schreckten potenzielle Bahnreisende ab.

Obwohl die Befragten Autofahren teurer einschätzen als Bahnfahren, nutzen 60 Prozent lieber den eigenen Pkw. Grund sei der Wunsch, flexibel zu sein, sagte der Projektleiter des Forschungsinstituts Quotas, Thomas Krautscheid. Die Befragung zeigt aber auch: Wer öfter auf der Schiene unterwegs ist, hat weniger an der Bahn auszusetzen.

Etwa zwei Drittel der befragten Bahnnutzer kaufen sich vor allem ein Zugticket, um stressfrei zu reisen. Mit der Entspannung ist es allerdings schnell vorbei, wenn die Bahn unpünktlich ist und die Anschlüsse schlecht sind - für die Befragten die wichtigsten Beurteilungskriterien. Wären diese erfüllt, könnten sich etwa 50 Prozent vorstellen, in Zukunft häufiger mit der Bahn zu fahren.

Nach Meinung des VCD wären die Befragten zufriedener, wenn es einen "Deutschlandtarif" gäbe. Reisende würden dann für alle Züge des Nah- und Fernverkehrs einen einheitlichen Fahrschein kaufen. Aufschläge, zum Beispiel bei ICEs oder Nachtzügen, würden auf der Fahrt nachgelöst. "Wir brauchen ein neues System", sagte Gehrmann. Im Fernverkehr herrsche "ein absolutes Chaos."

Die Deutsche Bahn weist die Idee eines Deutschlandtarifs von sich. "Unter den jetzigen politischen Rahmenbedingungen geht das nicht", sagte ein Sprecher. Seit der Bahnreform 1994 sind die Bundesländer für den Nahverkehr zuständig. Den Fernverkehr betreibt die Bahn hingegen auf eigene Rechnung.

Auf die Kritik der Bahnreisenden an der Tarifvielfalt habe das Unternehmen bereits reagiert, indem Angebote miteinander verbunden worden seien, so der Sprecher. "Das ist vielleicht noch nicht bei den Kunden angekommen." Eigentlich müssten sie seiner Meinung nach durch Werbung und Informationen auf der Bahn-Homepage aber im Bilde sein.

Das Forschungsinstitut Quotas befragte im März etwa 3000 nicht repräsentativ ausgewählte Nutzer und Nichtnutzer der Bahn. Busse, Straßen- und Stadtbahnen waren nicht Teil der Umfrage. Seit 2001 prüft der VCD die Einstellung von Reisenden zu Aspekten wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Service und Beratungsqualität bei der Deutschen Bahn. Ziel ist es, das Bahnangebot attraktiver zu machen.

Vollständige Dokumentation VCD-Bahntest 2010

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