Ärzte Zeitung online, 10.06.2010

Friedenspreis für David Grossman

FRANKFURT/MAIN (dpa). Der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an den israelischen Schriftsteller und Journalisten David Grossman. Diese Entscheidung hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Auftakt der Buchtage Berlin am Donnerstag bekanntgegeben.

Der 56-Jährige Grossman setze sich aktiv für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ein, heißt es in der Begründung des Stiftungsrats des Friedenspreises. "In seinen Romanen, Essays und Erzählungen versucht er, nicht nur die eigene, sondern immer auch die Haltung der jeweils Andersdenkenden zu verstehen und zu beschreiben." Er "gibt dem schwierigen Zusammenleben eine literarische Stimme, die in der Welt gehört wird".

"Seine Bücher zeigen, dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden kann", so die Begründung. In seinem Hauptwerk "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" zeige Grossman die Bedeutung der Sprache für die Suche nach Identität und warne vor ihrer zunehmenden Militarisierung. "So bietet er inmitten einer Realität von Willkür, Zwang und Entfremdung Auswege aus dem jetzigen Zustand der Gesellschaft, die sich zwischen Krieg und Frieden befindet."

Grossman setze sich in seinem in mehr als 30 Sprachen übersetztem Werk vor allem mit der Identität Israels und dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinander. Er beteiligt sich aber auch aktiv an der politischen Debatte um eine friedliche Lösung im Nahen Osten.

Ein Sohn von ihm starb im Libanon-Krieg. Der verheiratete zweifache Familienvater, der in einem Vorort von Jerusalem lebt, ist für sein schriftstellerisches Werk bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Geschwister-Scholl-Preis. Der mit 25 000 Euro dotierte Friedenspreis wird traditionell am Ende der Frankfurter Buchmesse im Oktober in der Paulskirche verliehen.

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