Ärzte Zeitung online, 14.06.2010

Bericht zu nordirischem "Bloody Sunday"

LONDON (dpa). Fast 40 Jahre nach dem "Bloody Sunday" in Nordirland wird diesen Dienstag ein Bericht über den blutigen Tag vorgelegt, an dem britische Soldaten 14 Menschen erschossen haben. Die richterliche Untersuchung dauerte zwölf Jahre und ist die längste und teuerste in der britischen Geschichte.

Die Kosten summieren sich auf umgerechnet fast 230 Millionen Euro. Der Bericht soll klären, unter welchen Umständen die Fallschirmjäger die katholischen Zivilisten bei einem Bürgerrechtsmarsch in der Stadt Londonderry im Januar 1972 getötet haben.

Der "Blutsonntag", den auch die irische Popgruppe U2 in einem ihrer großen Hits besungen hat, ist das dunkelste Kapitel des Nordirlandkonfliktes und gehört zu den umstrittensten Ereignissen in der Geschichte der britischen Krisenprovinz. Danach erlebte der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken seinen Höhepunkt.

Am "Bloody Sunday" starben 13 Menschen, ein 14. erlag Monate später seinen Verletzungen. Als Folge der Ereignisse bekam die katholische, anti-britische Terrororganisation IRA starken Zulauf.

Der 5000 Seiten lange Bericht unter dem Vorsitz von Lord Saville wird am Dienstagnachmittag dem britischen Parlament vorgelegt. Es geht vor allem darum, ob die Opfer unbewaffnet waren oder selbst gefeuert hatten. Es soll somit auch geprüft werden, ob die Soldaten rechtmäßig gehandelt haben. Wenn nicht, droht ihnen möglicherweise ein Gerichtsverfahren. Die Soldaten hatten angegeben, dass sie aus Notwehr auf bewaffnete Terroristen geschossen hatten.

Der "Saville-Report" folgt einer ersten Untersuchung von 1972, die die Armee entlastet hatte und bei Angehörigen der Opfer für Entsetzen gesorgt hatte. Nach massivem Druck der Opferfamilien kündigte der damalige Premier Tony Blair jedoch 1998 eine neue Prüfung an.

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