Ärzte Zeitung online, 16.06.2010

Neue Schätzung: Ölpest im Golf noch dramatischer als gedacht

WASHINGTON (dpa). Das Ausmaß der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist noch dramatischer als zunächst bekannt: Nach jüngsten Schätzungen strömen derzeit bis zu 8200 Tonnen Öl pro Tag ins Meer, teilte die US-Regierung am Dienstag mit.

Erst vor wenigen Tagen war die Menge auf ein tägliches Maximum von 5400 Tonnen nach oben korrigiert worden. Davor lag der angenommene Höchstwert bei 3400 Tonnen. Unabhängige Forscher und Wissenschaftler der Regierung hätten die neuen Erkenntnisse aufgrund zusätzlicher und besserer Daten gewonnen.

Mit Hilfe einer Absaugvorrichtung kann BP derzeit von einem Bohrschiff aus bis zu 2500 Tonnen Rohöl in 1500 Metern Tiefe direkt über dem defekten Sicherheitsventil auf dem Bohrloch auffangen. Auf Weisung der US-Regierung plane der britische Ölkonzern, diese Menge bis Ende Juni auf rund 7200 Tonnen zu erhöhen, heißt es in der Mitteilung weiter. Mitte Juli solle dann eine Kapazität von bis zu rund 11 000 Tonnen täglich erreicht werden.

Obama: Ölpest zeigt Notwendigkeit für saubere Energien

Die schlimmste Ölpest der US-Geschichte hat nach den Worten von Präsident Barack Obama überdeutlich gemacht, dass kein Weg an sauberen Energien vorbeiführt. "Die Tragödie vor unserer Küste ist die bislang schmerzlichste und stärkste Erinnerung daran, dass jetzt die Zeit für eine Zukunft mit sauberen Energien ist", sagte Obama am Dienstagabend (Ortszeit) in seiner Rede an die Nation.

Jetzt sei der Augenblick gekommen, "eine nationale Mission für amerikanische Innovation zu entfesseln", betonte Obama in der ersten Ansprache seiner Amtszeit aus dem Oval Office. "Die Folgen unserer Untätigkeit sind jetzt klar vor unseren Augen."

Zugleich versprach er einen Kampf gegen die Ölkatastrophe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. "In den nächsten Tagen und Wochen" solle erreicht werden, dass bis zu 90 Prozent des ausströmenden Öls aufgefangen werden könnten.

Obama verteidigte die Bemühungen der Regierung seit Beginn der Katastrophe vor acht Wochen, die er mit einer Epidemie verglich. Es werde allerdings Monate, wenn nicht gar Jahre dauern, bis die Folgen der Ölpest beseitigt seien, räumte er ein.

Der Präsident kündigte einen unabhängig verwalteten Fonds an, damit Schadensersatzforderungen als Folge der Ölpest "fair und zeitnah" erfüllt werden. "Dieser Fonds wird nicht von BP kontrolliert werden", betonte Obama. Am Mittwoch werde er sich mit dem BP-Aufsichtsratsvorsitzenden Carl-Henric Svanberg treffen und ihn darüber informierten, "soviel Mittel zur Verfügung zu stellen wie nötig, um Arbeiter und Geschäftsleute zu kompensieren, die durch die Rücksichtslosigkeit seines Unternehmens Schaden erlitten".

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

Video vom Öl-Austritt auf CNN.com

Topics
Schlagworte
Panorama (30149)
Organisationen
BP (51)
CNN (160)
Personen
Barack Obama (377)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »