Ärzte Zeitung online, 01.07.2010

Methusalem hatte Glück - Gene für ein langes Leben identifiziert

WASHINGTON/NEW YORK (dpa). Genetiker haben das Geheimnis eines extrem langen und gesunden Lebens gelüftet. Sie identifizierten 150 Erbgutmerkmale, die relativ fitte 100-Jährige von ihren Mitmenschen unterscheiden.

Das Team um Dr. Paola Sebastiani und Dr. Thomas Perls von der Boston Universität schätzt, dass fast jeder siebte Mensch über eine Genkombination für Langlebigkeit verfügt.

Doch nur jeder Hundertste wird tatsächlich so alt. Dass die anderen genetisch Begünstigten früher sterben, könne an ihrer Ernährung, Bewegungs- oder Schlafmangel, Alkohol, Zigaretten oder einem Unfall liegen, erläuterten die Experten wenige Stunden vor Veröffentlichung ihrer Arbeit bei einer Telefonkonferenz. Im 20. Jahrhundert seien außerdem Millionen von Menschen in relativ jungen Jahren im Krieg gestorben - ob für ein langes Leben prädestiniert oder nicht.

Auf der Suche nach den entscheidenden Anlagen durchsuchte das Team in Boston das Erbgut von 1055 so genannten Hundertjährigen und 1267 Kontrollpersonen. Die Gruppe der "Hundertjährigen" war im Alter zwischen 95 und 119 Jahren und nach Worten von Sebastiani und Perls oft noch überraschend fit. Je mehr der 150 maßgeblichen Varianten sie in ihrem Erbgut (Genom) hatten, desto länger lebten sie bei relativ guter Gesundheit.

Mithilfe der genetischen Marker können Sebastiani, Perls und Kollegen die Anlage zur Langlebigkeit bereits mit 77-prozentiger Treffsicherheit ermitteln. Das Team entwickelte einen Chip und will in der kommenden Woche eine Internetseite dazustellen. Diese beiden Werkzeuge sollen Laboratorien in absehbarer Zeit erlauben, die Chancen für ein langes und gesundes Leben aus einem Blutstropfen abzulesen.

Der Link führt zum Abstract der Studie, sobald das Fachmagazin Science die Seite frei geschaltet hat.

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