Ärzte Zeitung online, 09.07.2010

Wieder verseuchtes Milchpulver in China entdeckt

PEKING (dpa). Zwei Jahre nach dem Skandal um mit Melamin verseuchtet Milchpulver in China, bei dem mindestens sechs Kinder starben, sind erneut belastete Milchprodukte aufgetaucht. Im Nordwesten des Landes beschlagnahmten Kontrolleure 76 Tonnen verunreinigte Milchprodukte, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag meldete.

Die Inspektoren entdeckten die Industriechemikalie Melamin zunächst in Milchprodukten in der Provinz Gansu. 12 Tonnen stellten die Behörden sicher. Die Spur führte zu einer Milchfabrik in der Nachbarprovinz Qinghai, wo die Kontrolleure weitere 64 Tonnen unverarbeitete Molkereiprodukte beschlagnahmten. Proben des Milchpulvers aus der Fabrik ergaben eine bis zu 500 Mal höhere Melamin-Konzentration als erlaubt, zitierte Xinhua die Behörden in Gansu.

Mit Melamin wird künstlich ein erhöhter Proteingehalt und damit eine bessere Qualität der Milch vorgetäuscht. Bei dem Skandal im Jahr 2008 erkrankten etwa 300 000 Säuglinge und Kleinkinder durch das giftige Babymilchpulver an Nierenleiden.

Chinesische Gerichte haben bislang mindestens 21 Verantwortlichen den Prozess gemacht, zwei wurden zum Tode verurteilt und im November hingerichtet. Der Skandal war 2008 wegen der Olympischen Spiele monatelang vertuscht worden. Seitdem haben staatliche Medien wiederholt über neue Fälle verseuchter Milch berichtet. In früheren Berichten hatte es geheißen, dass trotz der Kontrollen und Rückrufaktionen mit Melamin belastetes Milchpulver möglicherweise wieder den Weg in die Geschäfte gefunden hat.

Lesen Sie dazu auch:
Noch immer zwölf Prozent der Melamin-Kinder krank
Hinrichtungen im chinesischen Milchskandal
Melamin kristallisiert in Nierentubuli und macht Nekrosen
WHO empfiehlt Grenzwert für Melamin-Aufnahme
Tod von sechs Babys in China durch Melamin in Milchpulver bestätigt
Neue Melamin-Funde in Asien und Slowakei - Nestlé und Mars betroffen
China findet giftige Chemikalie in zwölf Prozent von Milchprodukten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »