Ärzte Zeitung online, 21.07.2010

Hitzeopfer der Bahn bekommen offenbar 500 Euro Entschädigung

BERLIN (dpa). Die Deutsche Bahn erhöht nach öffentlicher Kritik die Entschädigungszahlungen für Fahrgäste aus überhitzten ICE-Zügen. Betroffene, die wegen ausgefallener Klimaanlagen ernste Gesundheitsprobleme bekamen und ärztlich versorgt wurden, sollen 500 Euro in bar erhalten, berichtet die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch unter Berufung auf Bahnkreise.

Bislang hatte die Bahn für diese Gruppe lediglich das Anderthalbfache des Fahrpreises in Form von Reisegutscheinen zugesagt. Einzelheiten zu den aufgestockten Entschädigungen wollte die Bahn im Laufe des Tages bekanntgeben. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen, hatte 300 Euro pro Person als Richtwert für ein angemessenes Schmerzensgeld genannt.

Bei einem Spitzentreffen am Donnerstag in Berlin wollen Bahnchef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) Mitglieder des Bundestags-Verkehrsausschusses über die Ursachen und Folgen der Pannenserie informieren.

Der erste Fall ereignete sich am 10. Juli. In Bielefeld wurde ein ICE nach dem Ausfall der Kühlung gestoppt. In dem Zug saßen auch die Teilnehmer einer Klassenfahrt. Mehrere Schüler kollabierten wegen der Hitze, neun von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

An den darauf folgenden Tagen wurden gut 50 weitere Fälle defekter Klimaanlagen in Fernzügen bekannt. Vor allem das Modell ICE 2 war von den Ausfällen betroffen. Auch das Verhalten einiger Bahnmitarbeiter wurde in diesem Zusammenhang kritisiert. Gegen den Zugchef des in Bielefeld gestoppten ICE ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Es geht um die Frage, ob der Mann den Zug früher hätte anhalten müssen.

Die Bahn wies einen ZDF-Bericht zurück, wonach die Temperaturen in dem Bielefelder ICE auf mehr als 70 Grad gestiegen seien. Diese Behauptung sei "in keiner Weise nachvollziehbar", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Eine interne Analyse habe bis zu 61 Grad im Energieversorgungsblock der Klimaanlage festgestellt. "Dieses Aggregat befindet sich jedoch außerhalb des Fahrgast-Innenraums an der Unterseite des Zuges", so die Bahn weiter.

Probleme mit den Klimaanlagen gab es nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" allerdings auch schon früher. In einer internen Statistik des Unternehmens sei für den Juni 2008 bei durchschnittlich vier der 44 ICE-Züge der zweiten Generation der Hinweis "Klima defekt" vermerkt. Der Mittelwert für den Juli lag bei drei, für den August bei sieben Zügen.

Bislang hat die Bahn von einem neuen Phänomen gesprochen, das es in dieser Häufung zuvor nicht gegeben habe. Die Klimaanlagen des ICE 2 seien bis zur vorvergangenen Woche "völlig unauffällig gewesen", sagte Bahnchef Grube in einem Interview.

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