Ärzte Zeitung online, 26.07.2010

Staatsanwaltschaft: Niemand mehr in Lebensgefahr

DUISBURG (dpa). Von den 342 Verletzten der Loveparade in Duisburg befindet sich niemand mehr in Lebensgefahr. Das sagte Staatsanwalt Rolf Haverkamp am Montag in Duisburg auf Anfrage.

Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen mögliche Verantwortliche der Katastrophe stünden noch am Anfang. "Es haben sich jede Menge Zeugen gemeldet, die werden auch alle vernommen." Zur Frage, ob die 19 Todesopfer nun obduziert werden, wollte er sich nicht äußern.

Haverkamp verteidigte den Einsatz der Duisburger Polizei bei den Ermittlungen, obwohl diese in die Planung der Loveparade eingebunden war: "Wenn sich Hinweise auf eine Befangenheit ergeben, werden wir darauf auch reagieren." Am Samstagabend sei es aber vordringlich gewesen, die Unterlagen zu beschlagnahmen. "Da musste erst mal schnell der erste Zugriff erfolgen."

"Die Duisburger Polizei wird die Ermittlungen an eine andere Polizeibehörde abgeben, um neutrale Ermittlungen zu gewährleisten", kündigte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums am Montag in Düsseldorf auf Anfrage an.

Bei den Ermittlungen werde es nun darum gehen, ob bei der Planung oder der Ausführung der Großveranstaltung fahrlässig gehandelt wurde, sagte Staatsanwalt Haverkamp. Gegen die Veranstalter und die Stadt Duisburg werden massive Vorwürfe erhoben. Sicherheitsbedenken sollen nachrangig behandelt worden sein. In Bochum war die Loveparade im vergangenen Jahr abgesagt worden, weil die Polizei die Sicherheit nicht gewährleistet sah.

Auch in Duisburg hatte die Polizei nach Angaben der Polizeigewerkschaften im Vorfeld Bedenken erhoben. Die Stadt hatte dennoch die Genehmigung erteilt.

Am Montagmittag waren offiziell noch 1138 Menschen als vermisst gemeldet. Die Polizei habe erst die Hälfte der 2367 gesuchten Personen ermitteln können, teilte die Pressestelle in Duisburg mit. 40 Beamte seien damit beschäftigt, die Vermisstenanzeigen abzuarbeiten. Möglicherweise sei schon ein großer Teil der Vermissten wieder Zuhause.

Die Polizei bat die Angehörigen, sich in diesem Fall zu melden. Die Rufnummern lauten: (0203) 280-125, 280-4128 und 280-4526.

Alle Berichte zur Tragödie in Duisburg:
Mi., 18:39 - Loveparade-Veranstalter hat Vorschriften nicht umgesetzt
Di., 13:50 - Loveparade-Opfer: Die Gefühlswelt wird noch lange gestört sein
Mi., 10:48 - Loveparade: Weiteres Opfer gestorben, Ministerium legt Bericht vor
Di., 19:14 - Loveparade: Mauer des Schweigens wird rissig
Di., 18:12 - Wer beschuldigt wen? Akteure der Loveparade in Duisburg
Di., 16:04 - Wie viele Menschen waren wirklich auf der Loveparade?
Di., 14:49 - Psychotherapeuten richten Hotline ein
Di., 08:52 - Loveparade: 20 Tote, heftige Kritik an Polizei, Sicherheits-TÜV gefordert
Mo., 19:09 - Kölner Polizei übernimmt Ermittlungen zu Loveparade-Tragödie
Mo., 18:11 - Polizei: 1,4 Millionen Besucher unmöglich
Mo., 17:02 - Zahlen aus Duisburg: 511 Verletzte bei Loveparade, 15 Festnahmen
Mo., 15:15 - Nach dem Einsatz in Duisburg: "Ich empfand die Situation als surreal"
Mo., 15:10 - Im Gespräch: Ersticken in der Menschenmasse
Mo., 13:40 - Staatsanwaltschaft: Niemand mehr in Lebensgefahr
Mo., 12:06 - Duisburg plant Trauerfeier für Todesopfer
Mo., 11:23 - Loveparade-Tragödie: "Profilierungssucht und amateurhafte Organisation"
Mo., 09:54 - Überprüfung aller Großveranstaltungen gefordert
So., 14:30 - Loveparade endet im Tunnel des Todes

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