Ärzte Zeitung online, 27.07.2010
Loveparade:
20 Tote, heftige Kritik an Polizei, Sicherheits-TÜV gefordert
DUISBURG (dpa). Nach der Katastrophe bei der
Loveparade verdichten sich die Hinweise auf fatale Fehler der Planer.
Die Zahl der Toten stieg auf 20; über 500 Menschen sind
verletzt. Gegen die Stadt, die Polizei und den Veranstalter gab es neue
massive Vorwürfe.
Polizei und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf
Sauerland (CDU) sehen sich neuen heftigen Vorwürfen
ausgesetzt. Einem Zeitungsbericht zufolge soll Sauerland die Parade
trotz Bedenken von Feuerwehr und Polizei nur Stunden vor ihrem Beginn
genehmigt haben.
Am Montagabend erlag eine 21-Jährige ihren
Verletzungen - sie ist das 20. Todesopfer. Sauerland wehrte sich gegen
Kritik und lehnte einen Rücktritt ab.
Loveparade-Organisator Rainer Schaller sagte der dpa, das
Unglück könnte durch eine verhängnisvolle
Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein. Diese hat nach
Schallers Angaben alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang
öffnen lassen. Zuvor hätten die Veranstalter 10 der
16 Schleusen geschlossen gehalten, weil bereits eine
Überfüllung des Tunnels gedroht habe.
Durch die Anweisung der Polizei sei dann der Hauptstrom der
Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt. "Für den Fall
der Überfüllung sollten die Schleusen geschlossen
werden", sagte Schaller. Nach der Massenpanik bei der Techno-Party
hatte sich am Montagabend die Zahl der Todesopfer auf 20
erhöht.
Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt,
pocht auf neue Regelungen für Mega-Events. "Das
Sicherheitskonzept für Massenveranstaltungen ist derart
anspruchsvoll, dass es nicht allein in den Händen einer
Stadtverwaltung liegen darf", sagte Wendt der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" (Dienstag). Es sei zwingend erforderlich,
eine Art TÜV für Großveranstaltungen
einzuführen. Künftig sollten Ereignisse wie die
Loveparade nur noch möglich sein, wenn der zuständige
Landesinnenminister grünes Licht gegeben habe.
Wie die "Kölnische Rundschau" berichtete,
unterschrieb Duisburgs OB Sauerland die ordnungsbehördliche
Erlaubnis für die Loveparade erst kurz vor Beginn um 9 Uhr. In
einem Artikel der Zeitung heißt es: "Noch am Freitag wurde in
verschiedenen Sitzungen über das Sicherheitskonzept
debattiert, wobei die Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten
nochmals deutlich machten, dass die Großveranstaltung so
nicht stattfinden kann." Sauerland sagte der "Rheinischen Post"
(Dienstag), er habe nichts von Sicherheitsbedenken vor Beginn der
Loveparade gewusst.
Alle Berichte zur Tragödie in Duisburg:
Mi., 18:39 - Loveparade-Veranstalter hat Vorschriften nicht umgesetzt
Di., 13:50 - Loveparade-Opfer: Die Gefühlswelt wird noch lange gestört sein
Mi., 10:48 - Loveparade: Weiteres Opfer gestorben, Ministerium legt Bericht vor
Di., 19:14 - Loveparade: Mauer des Schweigens wird rissig
Di., 18:12 - Wer beschuldigt wen? Akteure der Loveparade in Duisburg
Di., 16:04 - Wie viele Menschen waren wirklich auf der Loveparade?
Di., 14:49 - Psychotherapeuten richten Hotline ein
Di., 08:52 - Loveparade:
20 Tote, heftige Kritik an Polizei, Sicherheits-TÜV gefordert
Mo.,
19:09 - Kölner Polizei übernimmt Ermittlungen zu
Loveparade-Tragödie
Mo.,
18:11 - Polizei: 1,4 Millionen Besucher unmöglich
Mo.,
17:02 - Zahlen aus Duisburg: 511 Verletzte bei Loveparade, 15 Festnahmen
Mo.,
15:15 - Nach dem Einsatz in Duisburg: "Ich empfand die Situation als
surreal"
Mo.,
15:10 - Im Gespräch: Ersticken in der Menschenmasse
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13:40 - Staatsanwaltschaft: Niemand mehr in Lebensgefahr
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12:06 - Duisburg plant Trauerfeier für Todesopfer
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11:23 - Loveparade-Tragödie: "Profilierungssucht und
amateurhafte Organisation"
Mo.,
09:54 - Überprüfung aller
Großveranstaltungen gefordert
So.,
14:30 - Loveparade endet im Tunnel des Todes

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