Ärzte Zeitung online, 06.08.2010

Hiroshima - Das Grauen begann vor 65 Jahren

NEU-ISENBURG (gwa). Der erste Atombomben-Angriff in der Geschichte der Menschheit erfolgte vor 65 Jahren. Am 6. August 1945 wurde Hiroshima zerstört. Mindestens 166.000 Menschen starben sofort oder in den ersten vier Monaten nach dem Abwurf. In Nagasaki, das drei Tage später bombardiert wurde, waren es mindestens 80.000 Menschen.

Hiroshima - Das Grauen begann vor 65 Jahren

Atompilz über Nagasaki, das am 9. August 1945, drei Tage nach Hiroshima, bombardiert wurde.

© dpa

In einem Umkreis von 500 Metern um das Explosionszentrum herum hatte kaum jemand eine Überlebenschance. Die Menschen verbrannten, verkochten oder wurden durch die Druckwelle zerrissen. Bekannt sind Bilder von den eingebrannten Umrissen von Opfern auf Mauern und Straßen.

Dann kam der Fall-Out, der Wasser, Boden, Nahrungsmittel und alle Gegenstände verseuchte. Das verursachte schwere Schäden an empfindlichen Geweben und Organen wie dem Knochenmark und dem Magen-Darm-Trakt. An den Folgen der direkten Strahlung und durch Kontamination starben in den Tagen und Wochen nach den Bombenexplosionen viele Menschen an inneren Blutungen.

Und weitere Menschen starben als Spätfolge an Krebserkrankungen. Nach Schätzungen waren in den Jahren zwischen 1950 und 2000 jeder zweite Leukämie-Todesfall und jeder zehnte andere Krebsfall von Überlebenden in Hiroshima und Nagasaki Folge der Atombomben-Abwürfe.

Überlebende, Hibakusha genannt, erkrankten auch häufig an Schilddrüsenkrankheiten. Nach Daten einer Studie aus dem Jahr 2006 war fast jeder zweite der 4000 untersuchten Überlebenden betroffen. Zwei Prozent von ihnen hatte Schilddrüsenkrebs, wie die Forscher aus Nagasaki und Tokio feststellten.

Und auch die Nachkommen von Überlebenden sind offenbar von den Folgen der Atombomben-Abwürfe betroffen. Zum Beispiel die 1949 geborene Midori Yamada. Die Japanerin, deren Vater tagelang in der verseuchten Stadt nach Überlebenden suchte, hat seit ihrer Kindheit einen extremen Eisenmangel. Mit 34 Jahren erkrankte sie an Brustkrebs. Dennoch werden erkrankte Kinder und Enkelkinder der Überlebenden vom Staat nicht als Opfer anerkannt. Damit haben sie keinen Anspruch auf kostenlose medizinische Hilfe und andere Unterstützungen.

Homepage des "Hiroshima Peace Memorial Museum"
Homepage des "Nagasaki Peace Museum"
Radiation Effects Research Foundation
Augenzeugen-Berichte von Hibakusha (überlebenden Opfern)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »