Ärzte Zeitung online, 08.08.2010

Morde in Afghanistan: IAM-Direktor nimmt Stellung auf der IAM-Webseite

KABUL (gwa). Am Samstag wurden die Leichen einer Deutsche, einer Britin, sechs US-Amerikaner und zwei Afghanen in Afghanistan gefunden, die zu einem internationalen Augenarzt-Team der International Assistance Mission (IAM) gehörten. IAM-Direktor Dirk Frans zeigt sich auf der IAM-Webseite bestürzt über den Anschlag.

Morde in Afghanistan: IAM-Direktor nimmt Stellung auf der IAM-Webseite

Hinter Stacheldraht-bewehrten Mauern liegt das Gebäude der IAM in Kabul.

© dpa

Frans schreibt, dass die IAM über die Ermordung der zehn Menschen in Badakhshan informiert wurde. Es sei wahrscheinlich, dass sie zu dem IAM-Augenarzt-Team gehörten.

Das Team hätte auf Einladung der Behörden in der Provinz Nuristan gearbeitet und sei auf der Rückreise nach Kabul gewesen.

Über die Umstände der Ermordung und eventuelle Hintergründe machte Frans keine Angaben. Er schreibt, dass die Helfer lediglich arme Menschen versorgt hätten. Einige von ihnen hätten seit Jahrzehnten in Afghanistan gearbeitet.

Die Ermordung der Helfer würde die Arbeitsmöglichkeiten der IAM schmälern. Doch Frans hofft, dass der Anschlag die Hilfe der IAM für die Armen in Afghanistan, die die Organisation nach eigenen Angaben seit 1966 in dem Land leistet, fortgeführt werden kann. Jährlich käme die Arbeit der IAM 250.000 Afghanen zugute.

Frans will auf der Webseite der IAM über weitere Entwicklungen und Erkenntnisse zu dem Anschlag berichten.

Die International Assistance Mission IAM

Die International Assistance Mission (IAM) ist eine Vereinigung christlicher Hilfsorganisationen in Kabul, die nach eigenen Angaben seit 1966 in Afghanistan tätig ist. Eine kurze Unterbrechung gab es nur zur Endzeit der Taliban-Herrschaft: 2001 wiesen die Taliban IAM-Helfer wegen "christlicher Missionierung" aus.

Als zentrale Werte nennt die IAM zuerst "Abhängigkeit von Gott" und "Liebe für alle"; sie weist aber den Vorwurf der Missionierung zurück. Schwerpunkt der IAM-Arbeit ist die Augenheilkunde. Das IAM-Programm "Noor" ("Licht") umfasst mehrere Augenkliniken sowie ambulante Einsätze und die Ausbildung einheimischer Augenärzte. 2009 wurden laut IAM-Jahresbericht 180 000 Patienten behandelt.

Inzwischen kümmert sich die IAM auch um psychisch Kranke, bietet Physiotherapie an und engagiert sich in Entwicklungsprojekten wie der Erschließung erneuerbarer Energiequellen. Die ausländischen Helfer sind nach Angaben der Organisation ausschließlich Ehrenamtliche.

Als zweite der 350 in Afghanistan tätigen Hilfsorganisationen wurde die IAM nach eigenen Angaben im Juni vom afghanischen Wirtschaftsministerium eingehend überprüft. Dabei ging es um ihre Tätigkeit und ihre Finanzquellen. Als externe Finanzierer nennt die IAM neben anderen den Tear Fund Switzerland, die Islamic Relief, Handicap International und die Regierungen Islands und Irlands. (dpa)

Lesen Sie dazu auch:
Afghanistan: Zwei Ärzte sollen unter den ermordeten 10 Helfern sein

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