Ärzte Zeitung online, 09.08.2010

Afghanistan: Details zu deutschem Opfer

KABUL (dpa). Nach dem Mord an zehn Helfern und Ärzten eines Augenarzt-Teams im Nordosten Afghanistans will sich am (heutigen) Montag der Direktor der betroffenen christlichen Hilfsorganisation in Kabul äußern. Die International Assistance Mission (IAM) kündigte eine Pressekonferenz mit IAM-Direktor Dirk Frans an.

Die Leichen der Opfer - es handelt sich um eine Deutsche, sechs Amerikaner, eine Britin und zwei Afghanen - waren am Sonntag zur Identifizierung nach Kabul geflogen worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Sonntagabend bestätigt, dass die getötete Deutsche eine 35-Jährige aus Sachsen ist. Das Onlinemagazin stern.de berichtete, Daniela B. sei 1975 in Chemnitz geboren worden und Sprachwissenschaftlerin. Sie habe der Gruppe als Dolmetscherin gedient.

Das Magazin berichtete weiter, die Frau habe nach dem Abitur Englisch und Russisch an der Universität Leipzig studiert und zusätzlich einen Abschluss als Deutschlehrerin für Ausländer gemacht. Sie sei außerdem vier Jahre an der Universität Gloucesterhire in Südengland eingeschrieben gewesen und habe als freiberufliche Übersetzerin gearbeitet. 2007 sei sie für IAM nach Afghanistan gegangen. In Kabul habe sie ein knappes halbes Jahr lang Dari gelernt, eine der beiden Landessprachen.

Ihr Lehrer Amir Mohammed wird mit den Worten zitiert: "Sie hat mir immer gesagt, ich will mit den Menschen reden, will wissen, was die fühlen, denken, sie verstehen. Sie wollte alles wissen über Kultur, Sitten, und die Geschichte Afghanistans. Dabei war sie eigentlich ein eher stiller Mensch, blieb sogar oft in den Pausen im Klassenraum, um weiter zu lernen, anstatt draußen mit den anderen zu plaudern und Tee zu trinken."

Für ein Jahr sei B. dann zum Sprachforschungsprogramm von IAM nach Feisabad gegangen, der Hauptstadt der nordostafghanischen Provinz Badachschan. B. habe fließend Dari sowie leidlich die beiden lokalen Sprachen Vahi und Mandschi gesprochen. Vor einem Jahr habe sie IAM verlassen, um zusammen mit anderen eine neue Hilfsorganisation aufzubauen, die sich vor allem mit der Erforschung und Rettung der lokalen Sprachen beschäftigen wollte.

B. habe den Kontakt zu IAM aber aufrecht gehalten, so das Magazin. Die britische Ärztin Karen Woo, die ebenfalls zu den Opfern gehört, habe eine Übersetzerin für die Reise nach Nordost-Afghanistan gesucht und sei so auf B. gestoßen. Mit ihren Englisch- und Dari-Kenntnissen sei die 35-Jährige "die perfekte Kandidatin" gewesen.

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