Ärzte Zeitung online, 13.08.2010

Fußball-WM ohne Stars aber mit viel Euphorie

DÜSSELDORF (acg). Am 21. August ist es soweit. Dann wird Südafrika noch einmal zur Hochburg des internationalen Fußballs. Und wieder ist eine deutsche Nationalmannschaft dabei.

Fußball-WM ohne Stars aber mit viel Euphorie

Jörg Dittwar, Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen (links) und Peter Slawik, Vorstand der Provinzial Rheinland Versicherungen, dem Sponsor der Nationalmannschaft.

© Provinzial Rheinlandversicherung

Vom 21. August bis zum 12. September findet am Kap der guten Hoffnung die Fußball-Weltmeisterschaft für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen statt. Außer der deutschen Mannschaft treten der amtierende Weltmeister Saudi-Arabien, die Türkei, Brasilien, Nigeria und noch elf weitere Teams an.

Die 20 deutschen Spieler im Alter von 16 bis 30 Jahren wollen sich drei Wochen lang mit Sportlern anderer Nationen messen. Darauf haben sie sich lange darauf vorbereitet. "Im Vorfeld des Turniers haben wir uns alle vier Wochen zu Lehrgängen getroffen und viel trainiert", sagt Trainer Jörg Dittwar, der früher als Profi beim 1. FC Nürnberg gekickt hat. "Die Spieler sind euphorisch und brennen darauf, bei der WM kicken zu dürfen." Alle Wettkämpfe finden in kleineren Stadien der Provinz Limpopo statt.

Für Dittwar, der seit 1. April 2010 als Bundestrainer arbeitet, stellt das Training mit den geistig beeinträchtigten Spielern eine besondere Herausforderung dar. "Vier Wochen nach einer Trainingseinheit kommt es schon vor, dass die Sportler vergessen haben, was wir vor einem Monat geübt haben", sagt er. "Oder wenn wir uns zu einer gewissen Uhrzeit zum Training verabreden, es öfter zu Verspätungen kommt, weil die Kicker sich nicht mehr an den Zeitpunkt erinnern." Dittwar sieht sich aber als Optimist, dem es vor allem darauf ankommt, dass die Spieler überhaupt bei einem so großen Turnier dabei waren.

Doch das Team, das vor allem aus Spielern der Kreisliga und der Bezirksliga besteht, kämpft auch mit Problemen. "Die aktuelle Mannschaft ist derzeit lange nicht so gut wie vor vier Jahren", sagt der Trainer. Das liege vor allem an Rekrutierungsschwierigkeiten. Gute Kicker müssen erst einmal entdeckt werden, auf einen Talentpool wie die Profi-Ligen kann Dittwar nicht zurück greifen. Bei der Suche nach guten Spielern muss er sich vor allem auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen.

Um dann tatsächlich an den Trainingslehrgängen und der WM teilnehmen zu dürfen, müssen sich die Kandidaten einem Registrierungsverfahren unterziehen. Ihr Verhalten im Alltag steht genauso auf dem Prüfstand wie der Intelligenzquotient, der nicht über 75 liegen darf.

Dittwar erwartet, dass die Mannschaft in Südafrika eine Platzierung zwischen dem 4. und 8. Rang erreicht. "Wir hoffen, dass mit dem Turnier der Behinderten-Sport noch mehr in die Öffentlichkeit rückt", sagt er.

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