Ärzte Zeitung online, 17.08.2010

Pakistan: Mehr Spenden aus Deutschland - Krankheiten breiten sich aus

HANNOVER/BERLIN (dpa). Die Bereitschaft, für das vom Hochwasser betroffene Pakistan zu Spenden, ist nach Darstellung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) inzwischen gewachsen. Derweil breiten sich unter den mehreren Millionen Flüchtlingen in Pakistan sich verstärkt Krankheiten aus.

DRK-Präsident Rudolf Seiters sage der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe), zunächst habe es große Zurückhaltung in Deutschland gegeben, seit Montag habe sich das Blatt aber gewendet.

Seiters führte die anfänglichen Schwierigkeiten auf die Vielzahl von Katastrophen in diesem Jahr zurück, angefangen vom Erdbeben in Haiti im Januar bis zu den jüngsten Großbränden in Russland. Seiters sagte, ebenso wie in Haiti sei die Regierung in Islamabad ohne weltweite Hilfe bei der Bewältigung der Katastrophe überfordert.

Es gebe in Pakistan seit den 80er Jahren eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Roten Kreuz und dem islamischen Roten Halbmond. Die gemeinsame Arbeit laufe gut und vertrauensvoll, und es habe noch nie Unterschlagungen gegeben. "Wir können für uns und den Roten Halbmond garantieren, dass das Geld bei den Opfern ankommt", betonte Seiters.

Zu den Projekten des DRK gehörten die Ausbildung von Ersthelfern und die Einrichtung von mobilen Gesundheitsstationen. Heute (Dienstag) fliegt die Hilfsorganisation 18 Tonnen Hilfsgüter von Berlin aus ins Notstandsgebiet.

Auch Außenminister Guido Westerwelle appellierte an die Bürger, "für die Flutopfer zu spenden." Wer sein Geld einer seriösen Hilfsorganisation gebe, könne sicher sein, dass es die Opfer auch erreicht, sagte er der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe). Die Bundesregierung hatte am Montag mit großer Anteilnahme auf die Hochwasser-Katastrophe in Pakistan reagiert. Das "vielleicht nie da gewesene" Ausmaß der Katastrophe sei schockierend, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Die Bundesregierung blickt mit großer Sorge und mit großer Anteilnahme nach Pakistan."

   Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, rief nachdrücklich zu Spenden für die Flutopfer auf. Es sei eine "humanitäre Pflicht, Pakistan zu helfen", sagte sie der "Berliner Zeitung" (Montagsausgabe). "Die meisten Opfer haben keine Häuser mehr, keinen Acker, keine Lebensgrundlage. Jetzt drohen Krankheiten und Seuchen."

   Nach Dieckmanns Worten steigt das Spendenaufkommen in Deutschland inzwischen - aber nur langsam. Die Deutsche Welthungerhilfe sei "erst bei einer Summe von 250 000 Euro angelangt, was im Vergleich zum Erdbeben in Haiti wenig ist". Regierungssprecher Seibert bedauerte in einer persönlichen Einlassung, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland noch nicht so groß sei wie jüngst bei Haiti. Vorwürfe, die finanzielle Unterstützung komme nicht bei den Hilfsorganisationen an, wies die Bundesregierung zurück.

Magen-Darm- und Haut-Krankheiten breiten sich aus

Die Zeitung "Dawn" berichtete am Dienstag unter Berufung auf Gesundheitsbehörden, ein vierjähriger Junge sei in einem Auffanglager in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi an einer Magen-Darm-Erkrankung gestorben. Ein sechs Tage altes Baby sei durch Tetanus ums Leben gekommen.

Der Arzt Dr. Khalid Ansari sagte der Zeitung, sein Team habe in dem Flüchtlingslager inzwischen bei 400 Menschen hohes Fieber und Magen-Darm-Erkrankungen diagnostiziert. Auch Hauterkrankungen würden häufig festgestellt.

In Rajanpur in der zentralpakistanischen Provinz Punjab starb nach Krankenhaus-Angaben ein 17 Jahre altes Mädchen an einem Magen-Darm-Infekt.

In den Fluten starben bereits fast 1500 Menschen, etwa 20 Millionen wurden obdachlos.

Online-Spenden sind unter anderen möglich über:
www.Aktion-Deutschland-Hilft.de
www.welthungerhilfe.de

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