Ärzte Zeitung online, 20.08.2010

US-Militär: Parteienzwist fördert Terror im Irak

BAGDAD (dpa). Der seit Monaten andauernde Parteienstreit in Bagdad ist nach Einschätzung des US-Militärs ein Grund für die jüngste Zunahme der Gewalt im Irak. Militärsprecher Stephen Lanza sagte dem staatlichen Fernsehsender "al-Irakija" in der Nacht zum Freitag: "Die Bildung einer neuen Regierung ist eine Entscheidung der Iraker, die den terroristischen Sumpf trockenlegen wird."

Die al-Kaida-Terroristen hätten mit den Anschlägen der vergangenen Wochen beweisen wollen, "dass es derzeit keine Regierung gibt". Die Iraker hatten Anfang März ein neues Parlament gewählt. Die Koalitionsverhandlungen zwischen den Parteien, von denen keine die absolute Mehrheit erzielt hat, gestalten sich schwierig.

Einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Zahl der Terroranschläge und dem Abzug der US-Kampftruppen stellte Lanza nicht her. Vorsichtig antwortete er auf die Frage nach den Fähigkeiten der irakischen Sicherheitskräfte, die noch bis Ende 2011 von Einheiten der US-Armee unterstützt werden: "Wir arbeiten daran, dass die irakischen Truppen (bis dahin) ein hohes Niveau erreichen."

Auf Islamisten-Websites tauchte unterdessen ein Schreiben im Namen der al-Kaida-Terroristen im Irak auf, in dem sich diese zu einem Anschlag auf Rekruten in Bagdad vom vergangenen Dienstag bekennen. Darin heißt es, der Anschlag, der 60 Menschen das Leben gekostet hatte, habe Schiiten gegolten, die Handlanger des Iran gewesen seien.

In den vergangenen Tagen hatten Tausende amerikanische Soldaten den Irak verlassen und damit den Kampfeinsatz praktisch beendet . Laut US-Militär sind in dem arabischen Land aktuell noch 52 000 amerikanische Soldaten stationiert, die zu "Unterstützungseinheiten" für die irakische Armee gehören.

Der Abzugsplan, der noch aus der Ära von US-Präsident George W. Bush stammt, sieht vor, dass vom 1. September an noch 50 000 US-Soldaten im Land bleiben. Bis Ende 2011 sollen auch sie den Irak verlassen. Das US-Militärkommando in Bagdad betonte, der Zeitplan für den Abzug der restlichen Truppen aus dem Irak werde minutiös eingehalten.

In Bagdads südlichem Vorort Al-Dura starben am Freitag zwei Zivilisten durch einen Sprengsatz.

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