Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 03.09.2010

Fortschritte im Anti-Doping-Kampf - aber Gen-Doping im Tierversuch

FRANKFURT/MAIN (dpa). Deutschlands langjähriger Olympia-Arzt Wilfried Kindermann sieht den weltweiten Anti-Doping-Kampf trotz vielfältiger Probleme auf einem guten Weg. Inzwischen haben Forscher allerdings bewiesen, dass Gen-Doping möglich ist, zumindest bei Tieren.

"Die angestrebte Harmonisierung der Kontrollen ist zwar noch lange nicht erreicht. Aber sie wird fortschreiten", sagte Kindermann am Freitag. Seiner Ansicht nach könne der deutsche Sport von einem weltweit funktionierenden Kontrollsystem "nur profitieren". Kindermann, der unter anderem Vorsitzender der medizinischen Expertenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist, feiert an diesem Samstag seinen 70. Geburtstag.

Gendoping ist zumindest im Tierversuch möglich

Es klingt verführerisch, mit Hilfe eingeschleuster Gene Muskeln aufzubauen. So einfach wie eine Gabe des Hormons Erythropoietin (EPO) ist Gen-Doping zwar nicht. Forscher haben jedoch im Tierversuch bewiesen, dass es generell funktioniert.

Ein Team um Dr. Brian Kaspar von der Ohio State Universität spritzte Affen ein zusätzliches Gen in die Beinmuskeln, die daraufhin zu wachsen begannen.

In dem Versuch schleusten die Forscher das menschliche Gen für das Protein Follistatin in die Muskelzellen des rechten Beins von sechs Affen ein. Die Muskelzellen produzierten daraufhin Follistatin. Diese Substanz bindet sich an das Protein Myostatin, das normalerweise das Muskelwachstum bremst und macht Myostatin somit unwirksam (Sci Transl Med 11, 2009, 6ra15).

Ergebnis: Die Muskeln wuchsen besser, bekamen einen größeren Umfang und waren stärker als die unbehandelten. Schädliche Nebenwirkungen wurden bei den Affen nicht bemerkt. Ziel der Studie war allerdings nicht, betrügerischen Sportlern zu helfen, sondern Menschen mit Muskelschwund.

Viele weitere Ziele von Gen-Doping sind denkbar, etwa zur Produktion des blutbildenden Hormons Erythropoietin. Andere Angriffspunkte sind der Zucker- und Fettstoffwechsel, etwa um die Ausdauer zu steigern.

Abstract der Studie "Follistatin Gene Delivery Enhances Muscle Growth and Strength in Nonhuman Primates"

Lesen Sie dazu auch:
Nachweisverfahren für Gen-Doping ist auf dem Markt

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