Ärzte Zeitung online, 17.09.2010

Politikermord in London führt zu Unruhen in Pakistan

LONDON (dpa). Die Ermordung eines pakistanischen Exilpolitikers in London hat in Pakistans größter Stadt Karachi am späten Donnerstag Unruhen ausgelöst. Am Freitag hatte sich die Lage wieder beruhigt, das Stadtzentrum der Hafenmetropole blieb aber zunächst abgeriegelt.

Die britische Polizei teilte mit, Londoner Rettungskräfte seien am Donnerstagabend wegen eines Überfalls zum Haus des 50-jährigen Imran Farooq gerufen worden. Sie hätten den Politiker mit zahlreichen Stich- und Kopfverletzungen vor seinem Haus gefunden. Kurze Zeit später sei Farouk gestorben. Ob die Tat politisch motiviert war, blieb zunächst unklar. Die Polizei erklärte, sie habe umfassende Ermittlungen aufgenommen. Festnahmen habe es zunächst nicht gegeben.

Farooq gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Partei Muttahida Quami Movement (MQM), die in der südpakistanischen Stadt Karachi an der Regierung beteiligt ist. Er lebte seit 1999 in London im Exil, nachdem er in Pakistan wegen Straftaten angeklagt worden war. Seinen Asylantrag in Großbritannien begründete er damit, dass in Pakistan ein Kopfgeld auf ihn ausgeschrieben sei, heißt es auf der Internetseite der Partei. Farooq hatte seine Unschuld beteuert und gesagt, die Verfolgung in Pakistan sei politisch motiviert.

Die Partei rief eine Trauerzeit von 10 Tagen aus. In der Nacht hatten wütende Menschen in Karachi Autos in Brand gesteckt und demonstriert. Am Freitag gab es keine Berichte von Gewalt mehr; viele Geschäfte und Schulen blieben aber geschlossen. Auch der öffentliche Verkehr war eingeschränkt. Karachi hat eine lange Geschichte der Gewalt und ethnisch motivierter Unruhen. Im vergangenen Monat waren rund 100 Menschen bei Auseinandersetzungen ums Leben gekommen, nachdem ein MQM-Mitglied getötet worden war.

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