Ärzte Zeitung online, 21.09.2010

Amokläuferin hat Kind bewusstlos geschlagen und erstickt

LÖRRACH (dpa). Zwei Tage nach dem Amoklauf von Lörrach hat die Obduktion grausige Details ans Licht gebracht. Die Sportschützin schlug ihren fünfjährigen Sohn erst bewusstlos und erstickte ihn dann mit einer Plastiktüte. Die 41-Jährige selbst wurde schließlich von der Polizei erschossen. Nach Polizeiangaben vom Dienstag trafen die Beamten sie 17-mal, mehrere der Schüsse seien tödlich gewesen.

Amokläuferin hat Kind bewusstlos geschlagen und erstickt

Nahe des St. Elisabethen-Krankenhauses in Lörrach: Ein Polizist bringt Blumen und Kerzen zum Ort des Geschehens.

© dpa

Ihren 44-jährigen Ex-Partner, den Vater des Kindes, tötete die Anwältin mit zwei Schüssen in Kopf und Hals. Höchstwahrscheinlich sei der Tod des Kindes durch das Ersticken eingetreten, teilten die Ermittler mit. Vater und Sohn wurden nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus Polizeikreisen nebeneinanderliegend auf dem Bett gefunden.

Nach der ersten Bluttat hatte Sabine R. am Sonntagabend ihre Wohnung, in der sie auch ihre Anwaltskanzlei hatte, in Brand gesetzt und war ins gegenüberliegende St. Elisabethen-Krankenhaus gestürmt. Auf dem Weg dorthin verletzte sie zwei Passanten und erschoss in der Klinik einen 56 Jahre alten Pfleger. Ihn trafen drei Schüsse in Kopf und Hals. Außerdem hatte die Täterin, die zuletzt als psychisch stark angespannt galt und offenbar die Trennung von Mann und Kind nicht verkraftet hatte, ihn mit mehreren Stichen in den Oberkörper verletzt. Einen Polizisten verletzte sie schwer.

Weiter unklar ist, warum Sabine R. in die Klinik gelaufen ist und ob es einen Zusammenhang mit einer Fehlgeburt gibt, die sie dort 2004 hatte. Die Frau lebte seit Juni getrennt von ihrem Mann. Das Kind lebte beim Vater und war zum Zeitpunkt der Bluttat bei der Mutter zu Besuch. Als der Vater das Kind abholen wollte, kam es zu den Schüssen. Ein Sorgerechtsstreit sei nicht anhängig gewesen, hatte die Polizei zuvor mitgeteilt.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sieht nach dem Amoklauf keine Notwendigkeit für eine Verschärfung des Waffenrechts. "Ich habe keinen Hinweis darauf, dass wir eine Gesetzeslücke haben", sagte Mappus im pfälzischen Herxheim-Hayna.

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