Ärzte Zeitung online, 28.09.2010

Odenwaldschule will Missbrauchsopfern Entschädigung zahlen

HEPPENHEIM (dpa). Die Odenwaldschule will den mehr als 50 Opfern sexuellen Missbrauchs doch eine Entschädigung zahlen. Der Sprecher des Schulvorstands, Johannes von Dohnanyi, sprach am Dienstag von einem "sechsstelligen Betrag", der noch in diesem Jahr an Betroffene ausgezahlt werden soll.

Damit bestätigte er einen Bericht der "Frankfurter Rundschau", die eine Summe von mindestens 100 000 Euro nannte - durchschnittlich wären das rund 2000 Euro pro Person. Zuvor hatten als kirchliche Einrichtungen das Benediktinerkloster Ettal sowie der Jesuitenorden Opfern sexueller Gewalt Entschädigungen angeboten.

Zur genauen Höhe der Zahlungen wollte sich von Dohnanyi aber nicht äußern. Dazu sei es noch zu früh. Die Schule in Südhessen werde in dieser Frage eng mit dem von Opfern gegründetet Verein "Glasbrechen" zusammenarbeiten. Noch am Montag hatte es nicht nach dieser Entwicklung ausgesehen.

Um überhaupt Entschädigungen zahlen zu können, brauche das Elite- Internat eine Ausnahmebewilligung des hessischen Finanzministeriums beziehungsweise der Steuerbehörde, da sonst die Gemeinnützigkeit der Einrichtung gefährdet sein könnte. "Wir hoffen auf eine schnelle und auf eine positive Antwort", sagte von Dohnanyi.

Die frühere Bundesfamilienministerin und Bundestagspräsidentin, Rita Süssmuth (CDU), hatte noch am Montag bei einem Besuch der Reformschule im südhessischen Heppenheim im Beisein von Schulleiterin Margarita Kaufmann Hoffnungen auf eine finanzielle Entschädigung gedämpft.

"Es fehlt nicht an der Bereitschaft dazu", sagte Süssmuth. "Aber ich muss dann auch sagen, aus welchen Mitteln das Geld kommen soll." Die Schule selbst könne dies nicht bezahlen. "Das Problem der Entschädigung ist ungelöst." Süssmuth unterstützt das Elite-Internat bei der Neuorientierung.

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