Ärzte Zeitung online, 30.09.2010

Dramatische Hochwasserlage in Südbrandenburg

COTTBUS/ELSTERWERDA (dpa). Das Hochwasser hat Südbrandenburg wieder fest im Griff. Nur sieben Wochen nach den Fluten an Spree und Neiße herrscht dort erneut Alarm. Teile der Innenstadt von Elsterwerda (Elbe-Elster) wurden evakuiert. In der Kleinstadt gilt die höchste Alarmstufe 4.

Das Wasser der ansonsten unscheinbaren Schwarzen Elster schwoll auf gut 3,50 Meter Höhe an; normal ist die Hälfte. Im Landkreis Elbe-Elster fällt am Donnerstag in 16 Schulen der Unterricht aus.

Der Hochwasserscheitel der Neiße rollte unterdessen aus Sachsen auf den Unterlauf des Grenzflusses zu. Am Messpunkt Klein Bademeusel wurden am Mittwochabend 4,46 Meter und damit die zweithöchste Alarmstufe 3 erreicht. Im Landkreis Spree-Neiße waren nach Angaben der Kreisverwaltung rund 350 Kräfte im Einsatz, darunter 30 Deichläufer. Zur Sicherung der Deiche lagen 131 000 Sandsäcke bereit. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bezeichnete das Hochwasser in der Lausitz als das bislang schlimmste des Jahres.

In Elsterwerda verließen die meisten der 2500 Betroffenen laut Polizei ihre Wohnungen. Für 500 Menschen stünden Notunterkünfte bereit. Etliche Einwohner kamen bei Verwandten und Bekannten unter, andere zogen in höhere Stockwerke um. "Die Maschinerie läuft", sagte Bürgermeister Dieter Herrchen. Rund 150 Patienten des örtlichen Krankenhauses wurden mit Hubschraubern und Blaulicht in Kliniken der Städte Finsterwalde und Herzberg gebracht.

   Auch das Zentrum der Stadt Bad Liebenwerda ist vom Hochwasser der Schwarzen Elster bedroht. Der Pegelstand übertraf den Wert der Stufe 4 deutlich und lag zuletzt bei 3,54 Metern. Etwa 250 Rettungskräfte waren hier im Einsatz. Mit einer Evakuierung wurde jedoch vorerst nicht gerechnet, denn noch hielten die Deiche. Im Notfall wären etwa 1000 Menschen in der Innenstadt betroffen. Nach Angaben des Cottbuser Hochwassermeldezentrums werden die hohen Pegelstände der Alarmstufe 4 für Bad Liebenwerda und Herzberg etwa zwei Tage andauern.

Die wegen Hochwassers der Pulsnitz gesperrte Autobahn A 13 Dresden-Berlin war zuletzt noch zwischen den Anschlussstellen Thiendorf in Sachsen und Ortrand (Oberspreewald-Lausitz) gesperrt. In Richtung Dresden konnte sie einspurig befahren werden. Zuvor hatte es zu diesem Streckenstück widersprüchliche Angaben der Polizei gegeben.

An den verschiedensten Flussabschnitten verbauten Feuerwehrleute und Mitarbeiter von Baubetrieben Sickerstellen. Nach Angaben des Innenministeriums waren insgesamt mehr als 800 Helfer im Einsatz; rund 150 000 Sandsäcke wurden in die Hochwassergebiete gebracht. Seit Mitternacht wird aus der Talsperre Spremberg zur Entlastung der Spree mehr Wasser in Richtung Cottbus und Spreewald abgelassen. Zunächst seien es etwa 30, später 50 Kubikmeter pro Sekunde, sagte der Abteilungsleiter im Landesumweltamt, Wolfgang Genehr, der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor war eine Baustelle zur Sanierung der Sperre geräumt worden.

Homepage des Hochwassermeldezentrums

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