Ärzte Zeitung online, 30.09.2010

Alternativer Nobelpreis geht an Ärzteorganisation

Alternative Nobelpreise für Initiativen gegen Armut, Umweltzerstörung und soziale Ungerechtigkeit: Vier Auszeichnungen gehen in diesem Jahr an einen Bischof aus Brasilien, einen Architekten aus Nigeria, eine Organisation in Nepal - und Ärzte in Nahost.

Alternativer Nobelpreis geht an Ärzteorganisation

Die Mitbegründerin der Ärzteorganisation "Mediziner für Menschenrechte-Israel" (PHRI), Ruchamara Marton.

© dpa

STOCKHOLM (dpa). Einer von vier Alternativen Nobelpreise geht in diesem Jahr an die Organisation "Mediziner für Menschenrechte" in Israel. Die israelisch-palästinensische Organisation wird "für ihren unbezähmbaren Geist, mit dem sie für das Recht auf Gesundheit für alle Menschen in Israel und Palästina einsteht" geehrt.

Die dort zusammengeschlossenen Ärzte behandeln insbesondere auch Menschen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten. Sie haben oftmals große Probleme mit dem Zugangs zur medizinischen Versorgung und teilweise keinen gesetzlichen Anspruch die Versorgung.

Der Preis ist mit insgesamt 200 000 Euro dotiert. Er wird zu gleichen Teilen unter den vier Preisträger aufgeteilt.

Die drei weiteren Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an Umweltschützer in Nigeria und Brasilien und an Dorfgemeinschaften in Nepal. Die Stockholmer Stiftung "Right Livelihood Award" begründete ihre Entscheidung am Donnerstag damit, dass die Ausgezeichneten in vorbildlicher Weise für einen "Wandel von unten" eingetreten seien.

Der nigerianische Umweltschützer Nnimmo Bassey (52) erhält einen Preis, weil er die "menschlichen Kosten der Ölförderung in seinem Land aufzeigt". Bassey arbeitet als Chef der Umweltorganisation Friends of The Earth Nigeria gegen die rücksichtslose Plünderung von Bodenschätzen durch internationale Konzerne. Die schwedische Jurorin Marianne Andersson meinte: "Diese Vergabe ist hochaktuell, wie die Katastrophe am Golf von Mexiko zeigt."

Aus Brasilien wird der 1939 in Österreich geborene katholische Bischof Erwin Kräutler wegen seines Einsatzes für die indianischen Ureinwohner und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes geehrt. Er kam 1978 in das südamerikanische Land und arbeitet, inspiriert von der Befreiungstheologie, vor allem für die Bewahrung oder Rückgewinnung von Landeigentum für Ureinwohner.

Kräutler ist Präsident des katholischen Missionsrates für Ureinwohner in Brasilien. Über seine Motive sagte er in einem Gespräch mit der Stockholmer Stiftung: "Wenn diesen Völkern die "Mit- Welt" zerstört wird, dann sind wir im Namen des Evangeliums aufgefordert, ihr angestammtes Land zu verteidigen, und damit auch das Überleben zu sichern."

Der Stifter der Alternativen Nobelpreise, der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll, meinte über die Vergaben: "Wahrer Wandel beginnt von unten: Mediziner, die nicht auf Politiker warten, bevor sie handeln, um unnötiges Leiden im Nahen Osten zu beenden. Arme Dorf-Einwohner, die sich selbst aus der Armut helfen; und Umweltbewegungen, die es ermöglichen, dass Opfer ökologischer Zerstörung sich wehren."

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