Ärzte Zeitung online, 04.10.2010

Polen macht Jagd auf gefährliche Aufputschmittel

WARSCHAU (dpa). Eine Welle von Todes- und Vergiftungsfällen unter Jugendlichen hat Polen aufgeschreckt. Am Wochenende gingen die Behörden in einer groß angelegten Aktion gegen den Verkauf chemischer Stoffe vor, die von den Opfern als Aufputschmittel verwendet wurden.

3000 Polizisten und mehrere hundert Beamte des Amtes für Nahrungsmittelüberwachung kontrollierten seit Samstag im ganzen Land mehr als 1000 Geschäfte mit den gefährlichen Substanzen, wie Ministerpräsident Donald Tusk am Sonntag in Danzig sagte.

An einigen Orten hätten die Verkäufer Widerstand geleistet, teilte die Polizei mit. Die meisten Verkaufsstellen sollen nun bis auf weiteres geschlossen und versiegelt bleiben. Tusk kündigte eine zügige Änderung der Vorschriften an, um die Händler auszuschalten. Die Behörden stuften diese Mittel als "gefährlich für Gesundheit und Leben" ein, sagte der Regierungschef. Das gelte unabhängig davon, was auf den Etiketten stehe.

Die drogenähnlichen Betäubungs- und Aufputschmittel werden in Polen "dopalacze" (etwa: Beschleuniger) genannt. Sie wurden bisher legal unter anderem als Düngemittel angeboten. Medienberichten zufolge enthalten sie manchmal auch Rattengift.

Seit dem Beginn des Schuljahres im September mehren sich die Vorfälle nach ihrem Gebrauch. Mehrere Dutzend Jugendliche wurden in den vergangenen Wochen mit Vergiftungserscheinungen in Krankenhäuser eingeliefert. Es gab auch Todesfälle. Erst am vergangenen Freitag starb ein 20-Jähriger in Laziska in Schlesien. Vier andere Menschen vergifteten sich schwer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »