Ärzte Zeitung online, 06.10.2010

Männer mögen es bei Schönheitsoperationen diskret

BEIRUT (dpa). Wenn sich zwei Freunde lange nicht gesehen haben, fragen sie einander meist: "Wie geht es dir?" In der arabischen Mittelmeer-Metropole Beirut lautet der erste Satz dagegen oft: "Oh, du hast aber abgenommen!" Oder: "Hast du etwa deine Nase machen lassen?" In dem Land, das einen ähnlichen Körperkult pflegt wie die High Society von Brasilien, helfen inzwischen auch immer mehr Männer operativ nach, um dem aktuellen Schönheitsideal zu entsprechen.

Männer mögen es bei Schönheitsoperationen diskret

Der libanesische Schönheitschirurg Dr. Elias Chamas im Wartezimmer seiner Schönheitsklinik in Hazmieh bei Beirut (Libanon).

© dpa

Im Gegensatz zu den Frauen, die zum Großteil offen darüber reden, versuchen die Männer aber meist zu verbergen, dass sie sich für die Schönheit unters Messer gelegt haben.

Auch der smarte Mittvierziger mit dem halblangen Haar, der an diesem schwülheißen Sommertag die Schönheitsklinik von Dr. Elias Chamas in den Bergen oberhalb von Beirut betritt, setzt einen abweisenden Ausdruck auf. "Wagt bloß nicht zu fragen, was ich hier will!", sagt der kalte Blick, mit dem er die im Wartezimmer versammelten Frauen mustert. Dann verschwindet er in einem der Praxisräume. Sein Chauffeur wieselt eilfertig hinter ihm her.

"Unter zehn Patienten, die zu uns kommen, sind mittlerweile durchschnittlich drei Männer", erklärt Chamas, der Besitzer der Klinik. Der 62 Jahre alte Chirurg hat an seinem eigenen Körper nach eigener Aussage selbst noch keine Schönheitsoperation vornehmen lassen. "Wozu sollte ich das tun? Ich habe mich vor zwei Stunden zum letzten Mal beim Rasieren im Spiegel angeschaut, und da fand ich mich noch gut", erklärt der Chirurg. Wie viele libanesische Männer geht er nicht nur regelmäßig zum Friseur, sondern auch zur Maniküre.

Dass andere Männer mehr für ihr Aussehen tun, kann der auf Nasenverschönerung spezialisierte Mediziner aber trotzdem gut verstehen: "Ästhetische Chirurgie hat viel mit Psychologie zu tun. Wenn jemand nicht mit sich selbst zufrieden ist, dann hat er einfach das Bedürfnis, etwas zu ändern."

Die meisten Männer, die sich im Libanon von Schönheitschirurgen behandeln lassen, wollen eine Nase, die nicht arabisch aussieht, sondern mitteleuropäisch oder griechisch. Viele lassen sich außerdem am Bauch Fett absaugen. Die Zahl der Männer, die sich liften lassen, um Falten im Gesicht loszuwerden, ist eher niedrig.

"Frauen kommen oft mit Fotos von Models oder berühmten Sängerinnen zu mir und sagen: So will ich aussehen", berichtet Chamas. "Denen sage ich dann, komm nicht zu mir, sondern geh lieber in die Theresakirche, um zu beten." Die männliche Kundschaft sei da viel realistischer: "Hier ist noch nie ein Mann aufgetaucht, der sagt, er wolle die Haare von George Clooney haben."

Gelegentlich gehen libanesische Ehepaare auch gemeinsam zum Schönheitschirurgen, nach dem Motto: eine größere Brust für dich und eine elegante Nase für mich. Die meisten Kunden der zahlreichen Schönheitskliniken in und um Beirut sind Libanesen. Aber es kommen auch Golfaraber und Ausländer mit libanesischen Wurzeln, die in den USA oder in Europa leben. Denn im Vergleich zu dem, was dort für Schönheitsoperationen verlangt wird, ist es im Libanon billig.

Nach inoffiziellen Schätzungen werden im Libanon jährlich 1,5 Millionen Schönheitsoperationen durchgeführt - eine beeindruckend hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass das Land nur rund vier Millionen Einwohner hat. Unter den Männern sind es die Fernsehmoderatoren, Schauspieler und Geschäftsleute, die sich besonders häufig operativ verschönern lassen. Aber auch einige junge Männer, die heiraten wollen, überlegen sich, "ob ich mir, bevor ich den Fotografen für die Hochzeit bestelle, nicht doch noch die Nase begradigen lassen soll".

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